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Fachbegriffe

Abfluss

Wasservolumen aus einem Einzugsgebiet, das den Abflussquerschnitt innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit durchfließt. Die Angabe des Wertes erfolgt mit der Dimension Kubikmeter pro Sekunde (m3/s). Zum Vergleich einige Werte:

  • mittlerer Jahresabfluss des Beobachtungszeitraums 1931/2005 der Zwickauer Mulde in Zwickau: 14,4 m3/s
  • mittlerer Jahresabfluss des Beobachtungszeitraums 1931/2005 der Elbe in Dresden: 326 m3/s
  • maximaler Abfluss der Elbe in Dresden im August 2002: ca. 4600 m3/s

Flutungspolder

Niederungsfläche, die ab einem bestimmten Wasserstand im Fluss geflutet wird. Ein Flutungspolder ist durch Deiche vor Überschwemmung durch kleinere Hochwasser geschützt. Erst bei großen Hochwassern wird ein Teil des Abflusses in den Flutungspolder geleitet, um stromabwärts eine Verringerung des Scheitelabflusses zu erreichen.

Gefährdung

Gefahr, die sich auf eine bestimmte Situation (zeitlich, örtlich) bezieht. Diese Situation ist zum Beispiel ein hundertjährliches Hochwasserereignis.

Gefahrenkarte

Zeigt die Gefährdung nach Lage (betroffene Flächen), Intensität, Jährlichkeit und Gefahrenart. Gefahrenarten bei Hochwasser sind Überschwemmung, Erosion und Ablagerung von Geschiebe oder Treibgut. Zur Gefahrenkarte gehört ein beschreibender Bericht, der insbesondere die konkrete örtliche Gefährdung auch verbal beschreibt.

Geländemodell (digitales ~)

Mathematische Beschreibung der Geländeoberfläche, meistens durch räumliche Koordinaten (x- und y-Koordinate in der horizontalen Ebene, z-Koordinate als Höhe über Meeresspiegel). Mit dem Geländemodell können Linien gleicher Höhe (z. B. Höhenlinien auf Landkarten) bestimmt werden. Geländemodelle werden benötigt, um die Lage und Ausdehnung von Überschwemmungsflächen zu ermitteln. Aufgrund der großen Datenmengen können Geländemodelle nur mit leistungsfähigen Rechnern verarbeitet werden.

Geschiebe

Die an der Sohle des Fließgewässers mitgeführten festen Stoffe, vornehmlich Sand, Kies und Geröll. Die Menge des transportierten Geschiebes ist stark von der Wassertiefe, der Fließgeschwindigkeit und dem Gefälle abhängig. In den sächsischen Fließgewässern stammt das Geschiebe vorrangig aus den Uferbereichen, wo bei Hochwasser lockeres Material erodiert wird. Die Ablagerung von Geschiebe (in Bereichen mit geringer Fließgeschwindigkeit) führt zu einer Erhöhung der Gewässersohle und damit zu einem Anstieg des Wasserstandes.

Gewässer I. Ordnung

Laut Sächsischem Wassergesetz festgelegte Fließgewässer bzw. Fließgewässerabschnitte, für deren Unterhaltung der Freistaat Sachsen zuständig ist. Diese Aufgabe wird von der Landestalsperrenverwaltung wahrgenommen. Die Gesamtlänge der Gewässer I. Ordnung in Sachsen beträgt ca. 3000 km.

Hochwasserereignis (extremes ~)

Hochwasser in einem bestimmten Gewässerabschnitt mit einem bestimmten Abfluss. Im Allgemeinen kann einem Hochwasserereignis auf der Grundlage statistischer Auswertungen eine Jährlichkeit zugeordnet werden. Sehr seltene und damit sehr große Hochwasserereignisse können aber statistisch nur schlecht erfasst werden. Für die Darstellung der Gefährdung durch sehr seltene Ereignisse wird deshalb von einem Extremhochwasser ausgegangen, dessen Jährlichkeit weit über 100 Jahre liegt oder das als maximal möglich eingeschätzt wird.

Hochwasserrückhaltebecken

Stauanlage, die nur oder teilweise dem vorübergehenden Rückhalt von Hochwasser dient.

Hochwasserschutzkonzept

Wasserwirtschaftliche Rahmenkonzeption zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Sie beinhaltet

  • eine Zustandsanalyse des betrachteten Flussgebiets,
  • die Auswertung historischer und aktueller Hochwasserereignisse,
  • hydraulische Berechnungen,
  • Vorschläge und Beschreibungen zu Hochwasserschutzmaßnahmen,
  • Intensitätskarten, Gefahrenkarten, Maßnahmekarten.

Die sächsischen Hochwasserschutzkonzepte (HWSK) wurden auf der Grundlage des Sächsischen Wassergesetzes erstellt und durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft bestätigt, woraus eine behördeninterne Bindungswirkung als Planungsgrundlage resultiert.

Hochwasserschutzmaßnahmen

Maßnahmen zur Verringerung der Gefährdung für eine bestimmte Fläche. Die Wahl und Dimensionierung der Maßnahmen richtet sich nach dem zu erreichenden Schutzniveau. Typische Hochwasserschutzmaßnahmen für das Gebiet von Sachsen sind

  • Querschnittsvergrößerung des Flussbetts,
  • Deiche und Hochwasserschutzmauern,
  • Rückhaltebecken und Überschwemmungsflächen zum zeitweiligen Wasserrückhalt

HQ 100

Kürzel für den Abfluss, der an einem Standort im statistischen Mittel einmal in hundert Jahren überschritten wird. Dieser Wert wird aus langjährigen Beobachtungen des Niederschlags und des Abflusses bestimmt.

Intensität

Gibt das Ausmaß eines bestimmten Hochwasserereignisses an einer bestimmten Stelle an (nicht die Ausdehnung!). Charakteristische Größen sind die Wassertiefe, die Fließgeschwindigkeit oder der Abfluss pro laufenden Meter Breite (spezifischer Abfluss). Die Kartendarstellung erfolgt in Intensitätsstufen, die nach der möglichen Schadenswirkung in Siedlungsgebieten gestaffelt sind, zum Beispiel:

  • hoch: Wassertiefe >  2 m, Menschen und Tiere auch innerhalb von Gebäuden stark gefährdet, erhebliche Schäden an Gebäuden, plötzliche Gebäudezerstörung
  • mittel: Wassertiefe 0,5 bis 2 m, Menschen und Tiere außerhalb von Gebäuden stark, innerhalb von Gebäuden kaum gefährdet, Sachschäden an Gebäuden
  • niedrig: Wassertiefe < 0,5 m, Menschen und Tiere außerhalb von Gebäuden kaum gefährdet, Sachschäden an Gebäuden (v. a. Kellerräume)

Jährlichkeit

Gibt das Zeitintervall (Wiederkehrintervall) an, in dem im statistischen Mittel ein Wasserstand oder Abfluss an einer bestimmten Stelle des Gewässers erreicht oder überschritten wird. Aufgrund der bisher teilweise nur kurzen Beobachtungszeiträume an Pegeln und Niederschlagsmessstationen ist die statistische Berechnung für lange Wiederkehrintervalle mit größeren Unsicherheiten behaftet. In den sächsischen Gefahrenkarten werden Hochwasser mit den Wiederkehrintervallen von 20, 50, 100 und 200 bzw. 300 Jahren betrachtet.

Schadenspotenzial

Größe des möglichen Schadens. Das Schadenspotenzial kann in Abhängigkeit vom Hochwasserereignis und damit von der Jährlichkeit bestimmt werden.

Schutzniveau

Statistisches Wiederkehrintervall (Jährlichkeit), bis zu dem eine Fläche vor Überschwemmung geschützt ist oder geschützt werden soll. Für Ortslagen wird meistens das HQ 100 als Schutzniveau gewählt.

Treibgut

Schwimmfähiges Material, das besonders bei Hochwasser angetrieben wird. Treibgut ist die Hauptursache für Verklausungen. Weiterhin stellen der Anprall an Gebäude und die Ablagerung im überschwemmten Gebiet Gefahren dar.

Verklausung

Teilweiser oder vollständiger Verschluss des Gewässerquerschnitts durch Treibgut, auch in Verbindung mit Geschiebe. Besonders gefährdet sind Brücken, Wehranlagen, Rohreinläufe, scharfe Krümmungen und andere Engstellen. Die Verklausung führt zu Rückstau und größeren überschwemmten Flächen. Der Anstieg des Wasserstandes stromauf der Verklausungsstelle erfolgt sehr schnell. Die Beräumung von Treibgut während eines Hochwassers ist teilweise gefährlich bis unmöglich.

Marginalspalte

Bild: Hochwasserschutz

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 45: Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde

Uwe Höhne

Weiterführende Informationen