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Hausbesitzer und Architekten – Vor dem Hoch­wasser

© Pixabay-Lizenz (User: annca)

Vor dem Kauf eines Grundstückes, spätestens aber mit Beginn der Planung, sollten angehende Bauherren klären, ob dieses in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet liegt. So können Sie schon frühzeitig alle relevanten Hochwasserrisiken berücksichtigen. Ältere Häuser sollten durch bauliche Maßnahmen nachgerüstet werden und gegen verbleibende Risiken sollten Sie Ihr Eigentum versichern.

Nur wer sein eigenes Risiko kennt, kann sich auf den Hochwasserfall vorbereiten. Mit den verfügbaren Karten zum Thema Hochwasser prüfen Sie Ihren Standort schnell und unkompliziert auf Hochwasserrisiken durch Flüsse und Bäche. Hochwassergefahren können zudem von Starkregen und hohen Grundwasserständen ausgehen sowie an Gewässern auftreten, für die es derzeit noch keine sachsenweite Darstellung der Gefahrenflächen. Hieran wird aber aktuell gearbeitet.

Mit dem Web-Angbebot des Landeshochwasserzentrums (LHWZ) sind Sie stets über aktuelle Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen informiert. Auch besonders nützlich: die amtliche und kostenfreie App »Meine Pegel« informiert sie über Pegelstände in ganz Deutschland. Über Push-Nachrichten und selbstausgewählte Favoriten können Sie sich individualisiert auf dem Laufenden halten. Darüber hinaus gibt es noch weitere nützliche Informationsangebote:

Hochwasserportale und Hochwasser-Apps

Grundsätzlich gibt es drei Strategien, um Hochwasserrisiken in der Bauplanung zu berücksichtigen:

  1. Ausweichen: Bauen in hochwassergefährdeten Gebieten ist riskant. Architekten und Bauherren können das Risiko minimieren, indem sie solche Gebiete meiden. Falls das nicht möglich ist, sollten hochwertige Gebäudeteile höher positioniert werden. Dies kann zum Beispiel durch den Verzicht auf einen Keller oder durch ein »Ausweichen nach oben« erfolgen (Stelzen, erhöhte Lichtschächte, erhöhter Erdgeschossfußboden).
  2. Widerstehen: Mit baulichen Maßnahmen kann das Eindringen von Wasser verhindert werden. Mobile Schutzsysteme vor Türen und Fenstern, Abdichtungen von Hausanschlüssen und andere Maßnahmen leisten dazu einen Beitrag. Eine Rückstausicherung schützt vor dem Rückfluss von Wasser aus der Kanalisation und eine weiße oder schwarze Wanne darüber hinaus vor dem Eindringen von Grundwasser in den Keller. Beachten Sie, dass das Gesamtsystem dicht sein muss. Gibt es nur eine einzige Schwachstelle, sind alle anderen Maßnahmen wirkungslos.
  3. Anpassen und Nachgeben: Sind die optimalen baulichen Maßnahmen nicht wirtschaftlich, sollte die Gebäudenutzung an die Hochwassergefahr angepasst werden. Unter Umständen ist das Nachgeben gegenüber dem eindringenden Wasser weniger schadensträchtig als der Versuch, das Eindringen zu verhindern. In diesem Fall werden Wohnräume in obere Etagen verlegt, ebenso Heizungsanlagen, Strom- und Wasserversorgung. Beim Bau setzen Architekten und Hauseigentümer auf wasserbeständige Baustoffe, verzichten bei Neubauten in Überschwemmungsgebieten auf den Öltank und vermeiden es, giftige Stoffe im Keller zu lagern.

Bauliche Möglichkeiten sowie die Hochwasserbeständigkeit von verschiedenen Baustoffen sind ausführlich in der Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums beschrieben.

Die Videoreihe »Baulicher Bevölkerungsschutz für alle Wetterlagen« des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt wertvolle Tipps für Hauseigentümer und Architekten zu vielen Fragen des baulichen Hochwasserschutzes:

Weiterführende Informationen

Wurde ein Haus nicht hochwasserangepasst gebaut, kann und sollte es nachgerüstet werden. Der Einbau von wasserdichten Fenstern oder einer Rückstausicherung ist relativ einfach. Aufwendiger ist dagegen eine sorgfältig geplante Abdichtung des Kellers. Ansonsten gilt wie beim Neubau: Wenig hochwasserbeständige Gegenstände und Wohnräume sollten in die oberen Etagen verlegt und möglichst hochwasserbeständige Baustoffe eingesetzt werden. Eine Sicherung des Öltanks ist mittlerweile für Überschwemmungsgebiete verpflichtend.

Auch wenn auf den ersten Blick keine unmittelbare Gefahr zu drohen scheint, weil Ihr Zuhause zum Beispiel weit entfernt von Überschwemmungsgebieten oder Flüssen liegt, gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Denn Hochwassergefahr durch Starkregen, Rückstau im Kanalnetz oder hohes Grundwasser besteht fast überall.

Viele Immobilienbesitzer haben bereits Gebäudeversicherungen und Hausratversicherungen abgeschlossen. Oftmals beinhalten diese Versicherungen jedoch keinen ausreichenden Schutz gegen Schäden durch die zunehmenden Naturgefahren. Ein umfassender Schutz beinhaltet neben einer Absicherung gegen Sturm und Hagel unbedingt auch eine Elementarschadenversicherung. Nur diese deckt weitere Gefahren wie etwa Überschwemmungen nach Starkregen ab. Informieren Sie sich und lassen Sie sich fachkundig beraten. Aktuelle Angebote sollten Sie bei den Versicherungen einholen, da sich die Möglichkeiten eines Versicherungsschutzes in den letzten Jahren verbessert haben.

Weiterführende Informationen

Hochwassergefahren kann man ausweichen, indem man nicht in überschwemmungsgefährdeten Gebieten baut. Ob das der Fall ist, verrät Ihnen das hochwasserbezogene Kartenmaterial für Sachsen.

Da es immer aufwendiger und teurer ist, Gebäude später nachzurüsten, sollten bei einem Neubau von vornherein notwendige Schutzmaßnahmen mitbedacht werden.

Weitere Informationen zum hochwasserangepassten Bauen finden Sie im Naturgefahrenportal Sachsen sowie beim vom Freistaat unterstützten Kompetenzzentrum Hochwassereigenvorsorge Sachsen, welches auch eine Ausstellung zur Hochwassereigenvorsorge sowie den Hochwasservorsorgeausweis anbietet. Wertvolle Hinweise und Informationen rund um den Objektschutz und die bauliche Vorsorge bietet auch die Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums.

Hochwassersicher bauen

Das Naturgefahren-Portal des Freistaats hält die folgenden Ratschläge zur Bauvorsorge bereit:

  • Prüfen Sie vor dem Erwerb eines Grundstückes, ob es eine Hochwassergefahr für den Standort gibt, beispielsweise mittels
  • Rückstauklappen sorgen dafür, dass Wasser nicht durch Abflüsse wie Bodenabflüsse oder Waschbecken ins Haus steigt.
  • Rüsten Sie Ihr Haus je nach Bedarf mit einer Wasserpumpe aus.
  • Versehen Sie Ihr Haus mit einem höher gelegten Eingang.
  • Verwenden Sie wasserfeste Baumaterialien und fliesen Sie die Böden in Keller und Erdgeschoss.
  • Installieren Sie Heizanlagen und Sicherungskästen hoch über dem Boden oder in oberen Stockwerken.
  • Verzichten Sie in Hochwassergebieten auf Ölheizanlagen.
  • Achten Sie auf hochwassersichere technische Ausrüstung (z. B. Heizung, Elektroinstallation), indem diese Anlagen möglichst in oberen Etagen installiert werden.
  • Auch bei Altbauten können hochwassergefährdete Gebäudeteile zur so genannten »Schwarzen Wanne« ausgebildet werden. Dabei werden Bitumen- oder Kunststoffbahnen als Außen oder Innendichtung verwendet.
  • Denken Sie über einen Hochwasservorsorgeausweis nach.

Wenn der Hochwasserfall eintritt, bleibt meist wenig Zeit zum Handeln. Eine weitsichtige Planung kann Leben retten. Das gilt gerade für Haushalte in hochwassergefährdeten Gebieten. Stellen Sie deshalb frühzeitig einen persönlichen Notfallplan auf, aus dem hervorgeht, was zu tun ist und wer welche Aufgaben übernimmt. Bereiten Sie zudem ein Notfallpaket vor. Dies hilft Ihnen, wenn die Versorgung mit Strom, Trinkwasser oder Lebensmitteln bei Hochwasser unterbrochen ist.

Hier finden Sie Tipps und Maßnahmen, was im Falle eines Hochwassers zu tun ist und wo es Unterstützung gibt. Das Faltblatt fasst Ratschläge und Kontaktadressen zusammen: Was tun, wenn Hochwasser droht?

Die Portale Naturgefahren und Ernährungsnotfallvorsorge halten weitere detaillierte Ratschläge bereit:

Lebensmittel und Notgepäck

  • Was Sie immer im Haus vorrätig haben sollten:
    • Taschenlampe, Kerzen, Feuerzeug, Streichhölzer
    • Batteriebetriebenes Radio
    • Mobiltelefon
    • Medikamentenvorrat (Ihre eigenen ärztlich verordneten Medikamente, Schmerztabletten, Beruhigungsmittel)
    • Handelsüblicher Verbandskasten
    • Trinkwasser
    • Campingkocher
    • Lebensmittelkonserven
    • Müllbeutel, Toilettenpapier
    • Achten Sie darauf, dass die Batterien und Akkus der elektrischen Geräte geladen sind.
  • Legen Sie sich eine Liste mit Notrufnummern und Informationsquellen an.
  • Was kommt ins Notfallgepäck:
    • Schlafsack, Decke, warme Kleidung, feste Schuhe
    • Taschenlampe
    • Regenbekleidung, Gummistiefel (bei Sturm und Überschwemmung)
    • Wechselwäsche
    • Essgeschirr, Besteck
    • Trinkwasser, evtl. Thermoskanne mit Becher
    • Arbeitshandschuhe
  • Besprechen Sie mit den in Ihrem Haushalt lebenden Personen mögliche Notfälle, um auf Gefahren vorbereitet zu sein.

Dokumente und Hausrat

  • Wichtige Dokumente müssen im Notfall sofort greifbar sein, dazu gehören:
    • Geburts- und Heiratsurkunden
    • Verträge (Bank, Versicherungen, Mietvertrag, usw.)
    • Wertpapiere, Rentenzahlungs- und Einkommensbelege
    • Zeugnisse
    • Notar- und Grundbucheinträge
    • Fahrzeugpapiere
  • Deponieren Sie Kopien dieser Dokumente bei Vertrauenspersonen wie guten Freunden oder Verwandten (möglichst nicht in der Nachbarschaft, da diese auch betroffen sein könnte).
  • Lagern Sie kleine Wertgegenstände wie Uhren oder Schmuck so, dass Sie diese im Notfall schnell greifen können.
  • Stellen Sie in hochwassergefährdeten Gebieten keine hochwertigen Gegenstände wie Klavier, Hightech-Geräte oder teure Antikmöbel in Erdgeschoss, Souterrain oder Keller auf.
  • Parken Sie Ihr Auto bei Hochwasserwarnung ordnungsgemäß in überflutungssicheren Gebieten; achten Sie unbedingt darauf, dass Ihr Auto keine Rettungs- und Verkehrswege blockiert (Sie riskieren Schäden am Fahrzeug durch eine Noträumung, Ordnungsstrafen und sogar Schadenersatzansprüche).

    Film »Lebensmittelvorrat: Was gehört hinein?«

    Haben Sie noch Fragen?

    Ansprechpartner Hochwassereigenvorsorge:

    Kompetenzzentrum Hochwassereigenvorsorge Sachsen

    Besucheradresse:
    An der Luppe 2
    04178 Leipzig

    Telefon: 0341 442-2979

    Telefax: 0341 442-1748

    E-Mail: info@bdz-hochwassereigenvorsorge.de

    Webseite: https://www.bdz-hochwassereigenvorsorge.de

    Ansprechpartner Versicherungswirtschaft:

    GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

    Postanschrift:
    Wilhelmstraße 43/43G
    10117 Berlin

    Telefon: 0800 3399-399

    Telefax: 030 2020-6000

    E-Mail: berlin@gdv.de

    Webseite: https://www.gdv.de

    Ansprechpartner Katastrophenschutz:

    Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

    Postanschrift:
    Provinzialstraße 93
    53127 Bonn

    Telefon: 0228 99550-0

    Telefax: 0228 99550-1620

    E-Mail: poststelle@bbk.bund.de

    Webseite: https://www.bbk.bund.de

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