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Chemische Beschaffenheit der Fließgewässer in den Braunkohleregionen

Gegenwärtig steht der Abschluss des Prozesses des Grundwasserwiederanstiegs (GWWA) in einigen Bereichen des Sanierungsbergbaus kurz bevor oder ist bereits abgeschlossen. Die seit Jahrzehnten nicht mehr vorhandene Kommunikation zwischen Grund- und Oberflächenwasser in den Vorflutern stellt sich zunehmend wieder ein, ein Prozess, der in eng begrenzten Fließgewässerabschnitten von Spree und Kleiner Spree vor ca. 4 Jahren und in der Pleiße vor ca. 5 Jahren begonnen hat.

Der ansteigende Grundwasserstand führt dazu, dass die Säure-, Eisen- und Sulfatvorräte in den geologischen Schichten und Kippen in Lösung gehen und mit dem Grundwasser in Grundwasserströmungsrichtung verfrachtet werden. Das stark belastete Grundwasser tritt dort diffus in die Vorfluter über und verschlechtert die Wasserqualität in den Vorflutern in deutlichem Maße. Je höher der Grundwasserstand ist, desto mehr vorhandene Potentiale an Säure, Eisen und Sulfat können in die Oberflächengewässer verfrachtet werden.

Die Verschlechterung der Wasserqualität macht sich insbesondere durch die Versauerung der Vorflutgewässer, vor allem aber durch die Bildung von Eisenhydroxid und die damit verbundene Braunfärbung des Vorflutwassers sowie die Ablagerung von Eisenhydroxidschlämmen bemerkbar. Die Braunfärbung der Fließgewässer führt dazu, dass kein guter ökologischer Zustand nach WRRL erreicht werden kann, weil die Gewässerbiozönose negativ beeinflusst wird. Beispiele dafür sind in Ostsachsen gegenwärtig die Kleine Spree zwischen Burgneudorf und der Mündung in die Spree, die Spree zwischen Uhyst und der Talsperre Spremberg (Land Brandenburg) und in Westsachsen die Pleiße.

Besonders problematisch ist die Belastung durch Sulfat vor allem in Ostsachsen. Hier haben die Sulfatwerte in der Spree solche Höhen erreicht, dass die Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat der Spree für Frankfurt-Oder und Berlin gefährdet ist. Insbesondere im Trinkwasserwerk Briesen, das Frankfurt-Oder versorgt, wurde der Grenzwert für Trinkwasser (250 mg/l), bereits einige Male erreicht.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist einzuschätzen, dass  diese Belastungen in den kommenden Jahren räumlich und mengenmäßig noch zunehmen werden. Experten gehen davon aus, dass diese Belastungen mit etwas abnehmender Intensität über die nächsten 40 bis 100 Jahre anhalten werden.

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Bild: Kleine Spree bei Spreewitz (13,9 mg/l Eisen), Foto: Heiko Sonntag, LDS

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 44: Oberflächenwasser, Wasserrahmenrichtlinie (Braunkohlefolgen)

Dr. Frank Herbst