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Gelingt es in den Ballungsräumen mit erhöhtem Siedlungsdruck durch Rettungsgrabungen einer Zerstörung archäologischer Kulturdenkmäler zuvorzukommen, geht in landwirtschaftlich genutzten Räumen, d. h. vor allem den Altsiedellandschaften, die größte Bedrohung von Erosion, mechanischer Bodenverlagerung und -verdichtung aus. Diese Zerstörungsprozesse gehen schleichend vor sich und sind kaum kontrollierbar.

Schon die ersten bäuerlichen Gemeinschaften der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v. Chr. haben in ihre Umwelt eingriffen und Landschaftsveränderungen verursacht. Spätestens ab 1.000 v. Chr. haben menschliche Einflüsse und klimatische Schwankungen zu ersten merklichen Umweltproblemen, u.a. Bodenerosion geführt, die seither menschliches Wirtschaften begleiten.
 
Die Auflösung feudaler Strukturen, die Entstehung einzelbäuerlicher Betriebe, Flurbereinigungsmaßnahmen und Technisierungsschübe leiteten im Laufe des 19. Jh. eine Entwicklung ein, zu deren Folgen auch die massive Zerstörung archäologischer Kulturdenkmäler gehört. Von der Einführung des Tiefpfluges in vielen Betrieben um 1900 bis hin zur Großfelderwirtschaft der 1970er Jahre ist eine deutliche Verschärfung festzustellen, die im Einzelfall sogar bereits zum Totalverlust eines Bodendenkmals geführt hat. Oberflächenfunde sind Anzeichen dafür, dass archäologische Befunde in der Pflugschicht aufgearbeitet werden und damit die Zerstörung des Kulturdenkmals längst im Gang ist.

Abbildung: Oberflächenfunde (Steinbeile) von einer bandkeramischen Siedlung (Quelle: LfL)

Abbildung: Oberflächenfunde (Steinbeile) von einer bandkeramischen Siedlung (Quelle: LfL)

Dies gilt auch dann, wenn archäologische Befunde mit bloßem Auge an der Ackeroberfläche als dunkle Verfärbungen zu erkennen sind oder sich auf Luftbildern scharf als dunkle Bewuchsmerkmale vom hellen Untergrund abheben.

Abbildung: An der Oberfläche eines Ackers zeichnen sich archäologische Befunde (Gruben, Gräben etc.) als dunkle Flecken ab (Quelle: LfL)

Abbildung: An der Oberfläche eines Ackers zeichnen sich archäologische Befunde (Gruben, Gräben etc.) als dunkle Flecken ab (Quelle: LfL)

Abbildung: Als dunkle Bewuchsmerkmale heben sich die Strukturen eines Grabenwerkes der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.) von der helleren Umgebung ab (Quelle: LfL)

Abbildung: Als dunkle Bewuchsmerkmale heben sich die Strukturen eines Grabenwerkes der Jungsteinzeit (um 3500 v. Chr.) von der helleren Umgebung ab (Quelle: LfL)

Entdeckung und Vernichtung sind zwei Seiten eines Vorgangs, der keineswegs überall gleichförmig verläuft, vielmehr variiert er in Abhängigkeit von Bodenart, Oberflächenrauhigkeit, Niederschlagsmengen, Relief, Flächengrößen und Bewirtschaftungsform etc. kleinräumig. Diese Faktoren beeinflussen vor allem den Bodenabtrag durch Wassererosion. Für mechanische Verlagerungen ist die Art der Feldbestellung verantwortlich. Dabei hinterlassen Tiefpflügen und die Tiefenlockerung mit dem Bodenmeißel große Schäden. Letzterer durchmischt und zerrüttet archäologische Befunde untergründig, ohne dass Funde an die Oberfläche befördert werden.

Abbildung: Dieses eisenzeitliche Brandgrab (um 700 v. Chr.) befand sich bereits in der Pflugschicht und ist stark zerstört (Quelle: LfL)

Abbildung: Dieses eisenzeitliche Brandgrab (um 700 v. Chr.) befand sich bereits in der Pflugschicht und ist stark zerstört (Quelle: LfL)

Auch die Folgen der Bodenverdichtung durch schwere Maschinen, die oberflächennahe Befunde zusammenpressen und wertvolle Funde zerdrücken, lassen sich einem archäologischen Kulturdenkmal an der Oberfläche nicht ansehen. Gerade im Bereich von Zuckerrübenverladeplätzen sind jedoch diese Auswirkungen nicht zu unterschätzen.

Besonders an Zuckerrübenverladeplätzen werden oberflächennahe archäologische Befunde zusammengepresst und dadurch zerstört

Abbildung: Besonders an Zuckerrübenverladeplätzen werden oberflächennahe archäologische Befunde zusammengepresst und dadurch zerstört(Quelle: LfL)

Schließlich beschleunigen Düngermittelgaben die Korrosion von Metallobjekten, die in den letzten Jahrzehnten signifikant zugenommen hat.

Marginalspalte

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 72: Pflanzenbau

Dr. Walter Schmidt

Ausstellung

Grubber auf Acker, darunter im Boden liegende Gefäße

Sachsens Geschichte unterm Acker – Landwirte schützen Denkmäler

Die Ausstellung »Sachsens Geschichte unterm Acker« stellt den Reichtum an archäologischen Denkmalen in Sachsen vor, öffnet die Augen für Gefahren und zeigt Wege zu deren Schutz.

Weiterführende Informationen