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Fischaufstiegsanlagen in naturnaher Bauweise

Naturnah gestaltete Fischaufstiegsanlagen orientieren sich in ihrer Bauart an den natürlichen Gegebenheiten und sollten im naturnahen Wasserbau bevorzugt eingesetzt werden. Die Anwendbarkeit der unterschiedlichen Bauweisen ist allerdings nicht universell möglich, weil sie an bestimmte Rahmenbedingungen geknüpft sind. Für größere Fischarten ist oft ein gegenüber den technischen Bauweisen erhöhter Durchfluss erforderlich. Aufgrund der wesentlich besseren Vernetzung der Fließgewässer sind die naturnahen Bauweisen den technischen im Allgemeinen vorzuziehen. Zudem ermöglicht die naturnahe Gestaltung die Schaffung neuer Fließgewässerbiotope und eine gute landschaftliche Einbindung. Unter anderem aufgrund des weniger massiven Materialeinsatzes sind die Planungs- und Baukosten in der naturnahen Bauweise niedriger. Da die Bauweise flexibler ist, sind die Adaptierungsmöglichkeiten bei der naturnahen Bauweise größer. Sie besitzen zudem auch bei niedrigem Wasserstand im Unterwasser eine höhere Funktionalität.

Raugerinne-Beckenpass

Der Raugerinne-Beckenpass ist eine Kombination aus technischem Fischpass und Fischrampe. Zur Trennung der Becken werden bei dieser Bauform Riegel aus hochkant und lückig gestellten Steinen verwendet. Durch die hohen Wassertiefen in den Becken können die Pässe verhältnismäßig steil gebaut werden. Die Sohle sollte mit Sohlsubstrat aufgeraut werden, um die Durchgängigkeit für das Makrozoobenthos zu ermöglichen.

Die Anwendung dieser Bauweise ist besonders bei beengten Platzverhältnissen von Vorteil, da durch diese Bauweise eine wesentlich größere Wassertiefe und ein steileres Gefälle als bei konventionellen Fischrampen möglich ist.

WKA Hammermühle Wolkenberg an der Zwickauer Mulde: Raugerinne-Beckenpass

WKA Hammermühle Wolkenberg an der Zwickauer Mulde: Raugerinne-Beckenpass, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Umgehungsgerinne

Das Prinzip des Umgehungsgerinnes ist die weiträumige Umgehung eines Absperrbauwerkes und dessen Staubereichs in Form eines naturnah gestalteten Gerinnes im Nebenanschluß. Umgehungsgerinne stellen somit eine Verbindung zwischen Unter- und Oberwasser dar, über die ein Teil des Abflusses geleitet wird und die in einiger Entfernung zum Hindernis liegen. Sie sind daher für die Nachrüstung bereits bestehender Staustufen geeignet, weil an der Staustufe keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden müssen. Da der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser auf relativ kurzer Lauflänge überwunden werden muss, sind Umgehungsgerinne meist steiler als herkömmlich umgestaltete Fließgewässerabschnitte. Diese Strecken können zu einem eigenständigen Lebensraum strömungsliebender Arten werden. Sie sind auch für Kleinfische und für die am Boden lebende Fauna wirbelloser Tiere passierbar. Nachteile dieser Bauweise sind die Empfindlichkeit gegenüber Wasserhöhenschwankungen des Oberwassers und der relativ große Flächenbedarf. Andererseits bietet die Weitläufigkeit eines solchen Gerinnes viele Möglichkeiten für eine naturnahe Gestaltung und eine gute Einbindung in die Landschaft. Ein großer Vorteil ist die geringe Verstopfungsneigung und folglich der geringe Unterhaltungsaufwand.

WKA Weißflog und Beckert an der Zschopau: Umgehungsgerinne

WKA Weißflog und Beckert an der Zschopau: Umgehungsgerinne, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Sohlenrampen und –gleiten

Mit einer Sohlenrampe bzw. Sohlengleite, welche anstelle eines steilen oder lotrechten Sohlenabsturzes im Gewässer aufgeschüttet ist, wird die Überwindung von Höhenunterschieden in der Gewässersohle mittels einer flachen Neigung angestrebt. Während Sohlenrampen steiler sind (1:3 bis 1:10), besitzen Gleiten eine geringere Neigung. Die in diesem Zusammenhang betrachteten Bauwerke sollten ein Gefälle von kleiner 1:15 besitzen, sind also i.d.R. Sohlengleiten. Die Konstruktion soll dabei so naturnah wie möglich sein. Folglich ist der Einsatz von Beton gering zu halten. Sohlenrampen sind ursprünglich entwickelt worden, um die Gewässersohle zu stabilisieren. Entgegen dieser konventionellen Bauweise mit glatter Sohle, ist beim Einsatz von Sohlenrampen zum Zwecke des Fischaufstiegs darauf zu achten, dass der Baukörper strukturreich mit flach geneigter, rauer Sohle angelegt wird. Bei der Gestaltung der Sohlenrampen und –gleiten gibt es verschiedene Bauweisen.

Vorteile sind die geringen Baukosten und der geringe Unterhaltungsaufwand. Da die Bauwerke sich über die gesamte Gewässerbreite erstrecken, sind sie zwangsläufig für die Fische aufzufinden. Zudem sind Sohlenrampen bzw. -gleiten für die gesamte Gewässerfauna uneingeschränkt stromaufwärts und stromabwärts passierbar. Allerdings kann eine solche Anlage nur eingerichtet werden, wenn die ursprüngliche Nutzung der alten Staustufe aufgegeben wurde, weil beispielsweise auf die Regulierbarkeit des Wasserstandes verzichtet werden kann.

Sohlengleite Flügelbachwegbrücke an der Vereinigten Weißeritz

Sohlengleite Flügelbachwegbrücke an der Vereinigten Weißeritz, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Fischrampen

Eine Fischrampe funktioniert ähnlich wie eine Sohlenrampe bzw. -gleite mit dem Unterschied, dass sie sich nicht über die ganze Gewässerbreite erstreckt sondern in die Stauanlage integriert ist. Sie werden bevorzugt dann eingesetzt, wenn die Wehranlagen nicht vollständig aufgelassen werden können und ein ausreichender Abfluss nicht zur Verfügung steht. Im Aufbau ähneln sie den Sohlengleiten. Fischrampen eignen sich zur Nachrüstung bestehender Wehranlagen, besitzen einen geringen Unterhaltungsaufwand und eine geringe Verstopfungsgefahr. Die Passierbarkeit für Kleinfische und Makrozoobenthos ist positiv zu bewerten. Durch die Bauwerke wird eine gute Leitströmung erzeugt, die den Fischen die Orientierung erleichtert. Als nachteilig muss der große Anteil des Abflusses, der benötigt wird und die Empfindlichkeit gegenüber schwankenden Oberwasserständen angesehen werden.

Mühle Pischwitz an der Zschopau: Wehr mit Fischrampe

Mühle Pischwitz an der Zschopau: Wehr mit Fischrampe, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Marginalspalte

Bild: Oberirdische Gewässer

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 45: Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde

Rainer Elze

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