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Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit an Querbauwerken

In den Maßnahmenplänen werden entsprechend der beschriebenen Vorgehensweise verschiedene Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit vorgegeben. Wenn das Wasserrecht eines Querbauwerks beispielsweise erloschen ist, das Bauwerk also nicht mehr genutzt ist, kann durch einen kompletten Rückbau die Durchgängigkeit wiederhergestellt werden. Befindet sich das Bauwerk jedoch noch in Nutzung, müssen andere Möglichkeiten gesucht werden. In diesem Fall bietet sich eine naturnah oder ggf. technisch gestaltete Fischaufstiegsanlage an.

Rückbau des Querbauwerks:

Wehr Porschdorf/Gluto an der Sebnitz

Wehr Porschdorf/Gluto an der Sebnitz: Nach Abbruch der Wehranlage erfolgte der Umbau in eine raue Rampe, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Festlegung von Mindestabflüssen

Für das Überleben biotischer Strukturen im Gewässer ist der sogenannte ökologische Mindestabfluß erforderlich. Dieser hat besonders für die Fischfauna Bedeutung, da Fische von einer Reduzierung des Wasserstandes unmittelbar betroffen sind. Es sollten vor allem an Ausleitungsstrecken für Wasserkraftanlagen Festlegungen zum Mindestabfluß getroffen werden, damit die Wasserentnahme bei sommerlich geringer Wasserführung nicht zum Trockenfallen in der Ausleitungsstrecke führt und eine Durchgängigkeit gewährleistet bleibt.

Die wasserrechtlichen Anforderungen von Neuanträgen geplanter Nutzungen sind in § 42a des Sächsischen Wassergesetzes geregelt. Demzufolge ist eine Benutzung des oberirdischen Wassers durch Aufstau, Entnahme oder Ausleitung nur zuzulassen, wenn gewährleistet ist, dass die für die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers erforderliche Abflussmenge (Mindestwasserführung) erhalten bleibt. Die Mindestwasserführung wird unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse durch die zuständige Wasserbehörde in der Zulassungsentscheidung festgelegt.

Strukturverbessernde Maßnahmen (Substrat, Sohle)

Nicht nur bei Fischaufstiegsanlagen ist eine naturnahe Sohlstruktur für die Passierbarkeit von aquatischen Organismen von großer Bedeutung. Der natürliche Strukturreichtum eines Gewässers mit ungestörter Fließdynamik bildet Lebensräume für unterschiedliche Tiere. Nur eine raue Sohlenausbildung bietet dem Makrozoobenthos Wanderungs- und den Fischen Ruhemöglichkeiten. Viele Fließgewässer sind aus verschiedenen Gründen (z.B. Hochwasserschutz, Schutz vor Tiefenerosion) an Sohle und Ufer massiv verbaut. Eine naturnahe Substratverteilung findet man in solchen Gewässerabschnitten selten. Je nach Länge der verbauten Strecke und der daher erhöhten Fließgeschwindigkeit bilden diese Passagen gravierende Wanderungshindernisse. Auch bei längeren, verrohrten Strecken besteht eine ähnliche Problematik. Daher sollte im modernen Hochwasserschutz der massive Verbau von Gewässerstrecken nur auf das Nötigste beschränkt werden.

Die Realität sieht angesichts des Hochwasserereignisses im August 2002 jedoch oft anders aus. Wird eine Befestigung von Ufer oder Sohle durch bestimmte Restriktionen (z.B. Siedlungen in unmittelbarer Gewässernähe) trotzdem nötig, sollte mindestens darauf geachtet werden, den Verbau möglichst naturnah und reich strukturiert anzulegen. Wenn Tendenzen zur Tiefenerosion zu Maßnahmen zwingen, kann meist auf einen massiven Verbau verzichtet werden, denn aufgelöste Bauweisen, z.B. Sohlschikanen, Störsteine, Substratschüttungen, Grundschwellen oder Totholz dämmen die Tiefenerosion i.d.R. sehr wirkungsvoll ein.

Fischaufstiegsanlage (FAA)

Fischaufstiegsanlagen bieten in der Regel die einzige Möglichkeit, Aufstiegshindernisse, also Querbauwerke für die aquatische Fauna passierbar zu machen. Untersuchungen zu in der Vergangenheit erbauten Fischaufstiegsanlagen haben gezeigt, dass viele Anlagen nicht funktionsfähig sind. Es sind daher verschiedene Prinzipien zu beachten, um eine Funktionsfähigkeit sicherzustellen, die sich aus dem Aufstiegsverhalten der Fische erklären lassen. Fische orientieren sich bei der Wanderung flussaufwärts an der Hauptströmung und sind deshalb überwiegend dort zu finden, wo die Hauptströmung an einem Wanderungshindernis anliegt.
Unmittelbar vor dem Auslauf der FAA muss demzufolge auf ausreichende Entfernung zu turbulenten Bereichen, die eine Orientierung erschweren und auf eine ausreichend starke Lockströmung geachtet werden. Es müssen ausreichend bemessene Ruhezonen vorhanden sein, eventuell sind Ruhebecken anzulegen. Auch die Sohlenstruktur in der Anlage hat durchgängig zu sein. Eine mindestens 20 cm dicke Schicht aus Grobsubstrat auf der Sohle, hat sich dabei als günstig erwiesen.

Der Einlauf der FAA muss in ausreichender Entfernung von Turbineneinläufen liegen, da die Fische in Richtung Querbauwerk verdriftet werden. Die Anlage ist entsprechend ins Oberwasser hinein zu verlängern. Zu beachten ist darüber hinaus, dass der aufgestaute Bereich im Oberwasser einem Standgewässer ähnelt, sodass die Überwindung dieses Bereiches für viele Fließgewässerarten problematisch ist.

Fischaufstiegsanlagen können in naturnaher Bauweise (Umgehungsgerinne, Fischrampen etc.) oder technischer Bauweise (Beckenpässe, Aalleitern etc.) errichtet werden. Man geht heutzutage dazu über, vermehrt naturnahe Fischaufstiegsanlagen zu bauen, da sie im Vergleich zu den technischen Anlagen viele Vorteile aufweisen.

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Bild: Oberirdische Gewässer

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 45: Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde

Rainer Elze