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Methodik

Vorgehen zur Ableitung von Maßnahmeplänen

Um das Potenzial zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern zu ermitteln, wird eine Analyse aller Faktoren (ökologisch, geografisch, rechtlich und technisch) nötig, die Einfluss auf die aquatische Fauna im Fluss haben. Dazu kann in einem kombinierten Verfahren die Gewässerstrukturgüte und die Flächennutzung ermittelt werden. Daneben muss der jeweilige naturraumspezifische Gewässertyp (Biozönose, Formenschatz, chemische Zusammensetzung) ermittelt werden, da dieser heutige potenzielle natürliche Gewässerzustand den Maßstab für die Entwicklungsziele setzt. Darüber hinaus müssen Daten zu den entsprechenden Querbauwerken gesammelt werden. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands entwickelt werden.

Die Gewässerstrukturgüte wird in 100 m-Abschnitten entsprechend dem LAWA-Vorort-Verfahren ermittelt. Die Strukturausstattung der Gewässer und des Gewässerumfeldes beeinflusst ganz wesentlich die Funktionsfähigkeit der Gewässer als Lebensraum. In einem Arbeitsgang und im selben räumlichen Raster können die Biotoptypen im Umland des Gewässers kartiert und entsprechend dem sächsischen Biotoptypenschlüssel bezeichnet werden. Durch eine kombinierte Bewertung beider Datenmengen kann der Zustand des Gewässers und seines Umlandes gut beurteilt werden.

WKA Niezelgrund an der Wesenitz

WKA Niezelgrund an der Wesenitz, Quelle: Sächsische Wehrdatenbank (LfULG); Bild Peters/Signer

Datensammlung zu den Querbauwerken

Mithilfe einer Datensammlung zu den Querbauwerken kann die Realisierbarkeit und der Aufwand zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit eines Querbauwerks eingeschätzt werden. Dabei können u. a. Daten aus dem sächsischen Querbauwerkskataster des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, wasserrechtliche Unterlagen, hydrologische Daten oder Luftbilder von Nutzen sein. Folgende Datenkategorien sind von Bedeutung:

  • Lage und Identifizierung
  • Abmessungen
  • Hydrologische Daten
  • Angaben zur Wasserkraftanlage
  • Angabe zur ökologischen Durchgängigkeit,
  • Wasserrecht und Liegenschaftsrecht
  • Zuständige Behörden

Ziele für den Zustand der Gewässer

Durch die vorangegangenen Arbeitsschritte kann der Ist-Zustand der Gewässer und der Querbauwerke gut eingeschätzt werden. Durch die Ermittlung des jeweiligen naturraumspezifischen Gewässertyps, also dem idealtypischen Leitbild können die Zielvorstellungen definiert werden. Folgende Ziele können von Bedeutung sein:

  • potentiell typische Fischarten,
  • erforderliche Ufer- und Sohlstrukturen (Schaffung des erforderlichen Lebensraumes für stabile Populationen der Fischarten und Kleintiere),
  • günstige Abflussverhältnisse (Minimierung des Einflusses von Stauhaltungen und des Kraftwerksbetriebes),
  • Ökologisch notwendige Mindestabflüsse in Ausleitungsstrecken (Berücksichtigung der spezifischen Morphologie des Flussbettes, Einschätzung der Funktion von bestehenden Fischaufstiegsanlagen).

Maßnahmenplan

Ein Maßnahmenplan kann nun durch die Gegenüberstellung des momentanen Ist-Zustandes und der Zielvorstellungen für den jeweiligen Gewässerabschnitt erstellt werden. Die Beurteilung, ob Maßnahmen erforderlich sind, erfolgt anhand der Merkmale »Durchgängigkeit«, »wasserrechtliche Situation« und »Gesamtbewertung der Strukturgüte der angeschlossenen Gewässerabschnitte«.

Durchgängigkeit

  • Fischaufstiegsanlage vorhanden und funktionstüchtig
  • Querbauwerk ständig offen, kein Hindernis
  • Querbauwerk nur von leistungsfähigen Fischen passierbar
  • Querbauwerk unpassierbar


Wasserrechtliche Situation

  • Wasserrecht erloschen
  • Nutzung des Wasserrechtes bedarf Beantragung (Auflagen sind möglich)
  • Altrecht strittig
  • Altrecht festgestellt oder neue Erlaubnis bzw. Bewilligung erteilt


Gewässerstrukturgüte

  • unverändert (naturnah)
  • ….
  • vollständig verändert (naturfern, künstlich)

Dabei wird die bautechnische Realisierbarkeit immer vorausgesetzt. Zwei Prinzipien sind darüber hinaus zu beachten, da die Querbauwerke und die entsprechenden Gewässerabschnitte stets im Kontext des jeweiligen Gewässernetzes gesehen werden müssen:

  • Die Durchgängigkeit wird beginnend von der Mündung stromaufwärts hergestellt.
  • Vorzugsweise werden Fließgewässerabschnitte mit naturnaher Strukturgüte miteinander verbunden.

Durch diese Bewertung kann eine fachlich begründete Reihenfolge zur Realisierung der Maßnahmen festgelegt werden.

Marginalspalte

Bild: Oberirdische Gewässer

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 45: Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde

Rainer Elze