LÖBESTEIN, Teilprojekt Naturschutz
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LÖBESTEIN, Teilprojekt Naturschutz

Landmanagementsysteme, Ökosystemdienstleistungen und Biodiversität - Entwicklung von Steuerungsinstrumenten am Beispiel des Anbaus nachwachsender Rohstoffe

 

Projektlaufzeit:

07/2010 - 10/2013

Projektziele:

Gesamtvorhaben:

Hauptziel des Projektes LÖBESTEIN war die Bewertung von Ökosystemdienstleistungen und deren Berücksichtigung in gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen im Themenfeld Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo). Dafür sollten Szenarien entwickelt und Steuerungsinstrumente analysiert werden.

Ziele des LfULG-Teilprojekts Naturschutz:

  • naturschutzfachliche Charakterisierung der Ist-Situation des Landkreises Görlitz
  • qualifizierte Datenbereitstellung umweltfachlicher Daten für das Gesamtprojekt
  • Bearbeitung der Thematik Kurzumtriebsplantagen und Naturschutz, hierzu Anknüpfung an die Methoden des LfULG-Projekts »Standortpotenziale, Standards und Gebietskulissen für eine natur- und bodenschutzgerechte Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung in Sachsen unter besonderer Berücksichtigung von Kurzumtriebsplantagen und ähnlichen Dauerkulturen« als Teilprojekt 2.1. des Verbundprojektes »Umweltgerechter Anbau von Energiepflanzen«
  • Entwicklung einer Methodik für die Beurteilung der Eignung von Ackerflächen für Kurzumtriebsplantagen (KUP) im Einklang mit dem Naturschutz und Test dieser Methodik am Beispiel des Landkreises Görlitz

Projektergebnisse:

  • Die Anlage von Kurzumtriebsplantagen auf Ackerflächen wird aus naturschutzfachlicher Sicht betrachtet. Als Testgebiet zur Anwendung der naturschutzfachlichen Kriterien zur Ermittlung von Vorzugs- und Vorsorgeflächen für KUP wurde der Landkreis Görlitz ausgewählt. Er repräsentiert alle Naturregionen Sachsens vom Tiefland über das Lösshügelland bis zum Bergland und weist schon heute einen überdurchschnittlichen Anteil von Flächen für den Energiepflanzenanbau auf.
  • Die entwickelten naturschutzfachlichen Kriterien umfassen die beiden Komplexe »Flächennaturschutz« und »Artenschutz«. Im Kriterienkomplex Flächennaturschutz werden, differenziert für die Flächentypen Schwerpunktflächen des Naturschutzes, Struktur- und artenreiche Kulturlandschaft sowie Normallandschaft die möglichen Synergien und Konflikte zwischen KUP und verschiedenen Schutzgebietskategorien, Biotopen, FFH-LRT, bestimmten Kategorien der Regionalplanung, Biotopverbund etc. dargestellt.
  • Der Kriterienkomplex Artenschutz basiert auf einem Zielartenansatz, wobei der Schwerpunkt auf die Avifauna mit den Zielarten Kiebitz, Rebhuhn, Grauammer und Ortolan gelegt wurde. Als weitere Arten(gruppen) werden der Feldhamster, die einheimische Schwarz-Pappel und die Segetalflora einbezogen.
  • Getrennt für die beiden Kriterienkomplexe sowie beide zusammenführend wurden am Beispiel des Landkreises Görlitz durch Verschneidung und Auswertung der naturschutzfachlichen Kriterien im GIS Synergieklassen-Kulissen für KUP auf Ackerflächen als naturschutzfachliche Empfehlung auf fachlicher Grundlage erarbeitet. Die Kulissen umfassen die folgenden vier Synergieklassen: 0 - neutral; 1 - Synergie; 3 - Synergie prüfen; 5 - keine Synergie, Ausschluss von (flächenhaften) KUP. Auf mit »neutral« bewerteten Ackerflächen sind weder Synergien noch Risiken eines KUP-Anbaus zu Naturschutzzielen zu erwarten, auf Flächen der Kategorie »Synergie prüfen« kann eine genauere Bewertung erst im Einzelfall erfolgen.
  • Im Ergebnis wurden am Beispiel des Landkreis Görlitz nach Zusammenführung beider naturschutzfachlichen Kriterienkomplexe 18 Prozent der Ackerfläche als neutral, 7 Prozent als Synergie vorhanden, 28 Prozent mit Synergie prüfen und 47 Prozent mit der Empfehlung Ausschluss von (flächenhaften) KUP bewertet. Betrachtet man den Kriterienkomplex Flächennaturschutz separat, verringert sich die als Ausschluss empfohlene Ackerfläche beträchtlich (19 Prozent).
  • Empfehlungen für die Standortwahl und Bewirtschaftung von KUP auf Ackerflächen aus Sicht des Naturschutzes wurden aus den Projektergebnissen abgeleitet, z. B. bezüglich der Flächenauswahl für KUP unter Berücksichtigung der ermittelten Gebietskulissen, hinsichtlich der Beachtung von Naturschutzaspekten beim Anbau und der Bewirtschaftung von KUP.
  • Die Projektergebnisse stellen fachliche Grundlagen und Empfehlungen auf wissenschaftlicher Basis für den Themenkomplex KUP und Naturschutz dar. Der Umfang der Synergieflächen bedeutet nicht, dass auf allen ermittelten Synergieflächen auch KUP angelegt werden sollten. Ebenso müssen nicht alle empfohlenen Ausschlussflächen komplett von KUP ausgenommen werden, denn je nach Gestaltung der KUP (flächig oder streifenweise, rein wirtschaftlich ausgerichtet oder naturschutzgerecht mit Baumartenmischungen und Randstrukturen usw.) ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen und Bewertungen.
  • Es gibt kein allgemein für alle Ackerflächen geltendes Pro oder Kontra aus Sicht des Naturschutzes zum Anbau von KUP. Es existieren Flächen, für welche die Anlage von KUP ein naturschutzfachliches Risiko darstellt und die deshalb vom KUP-Anbau ausgenommen werden sollten. Genauso wurden Flächen identifiziert, auf denen durch KUP Synergieeffekte zu Naturschutzzielen erreicht werden können.