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Eremit (Osmoderma eremita)

FFH-Art 1084

Der Eremit (Osmoderma eremita, SCOPOLI 1763) ist ein 24 bis 39 Millimeter großer, schwarzbrauner Blatthornkäfer, der zur Familie der Scarabaeidae gehört. Die Bezeichnung Juchtenkäfer bezieht sich auf den Geruch der Imagines (geschlechtsreife Adultform) nach Juchtenleder.
Eremit (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

Eremit (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

Die phytophage (pflanzenfressende) und stenotope (begrenzt verbreitete, auf best. Biotop fixierte) Art besiedelt naturnahe lichte Laubwälder und Waldränder (vor allem Buchen-, Eichen- und Eichen-Hainbuchenwälder), Flussauen, alte Alleen, Parks, Friedhöfe, Streuobstwiesen und Solitärbäume in Forsten. Dort vollzieht sich die Entwicklung der Tiere vom Ei bis zum Imago (geschlechtsreife Adultform) im Mulm von Baumhöhlungen und Rindenspalten.
Bevorzugt werden besonnte, alte brüchige Laubbäume, insbesondere Eichen und Linden, aber auch Rotbuchen, Eschen, Rosskastanien, Weiden (namentlich Kopfweiden), Obstbäume und andere Laubbaumarten.

 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Ansiedlung ist ein günstiges Mikroklima, eine bestimmte Mindestmenge (mehrere Liter) und ein bestimmter Zersetzungsgrad des Mulms (schwarzer Mulm, Bodensediment aus org. Material), wofür oft Jahrzehnte erforderlich sind. Die Entwicklungsdauer des Eremiten bis zur Verpuppung wird mit 3 bis 4 Jahren angegeben. Insbesondere in den Monaten Juli und August können die flugträgen Imagines (geschlechtsreife Adultform) oft an den Brutbäumen beobachtet werden.

Als ursprüngliches Hauptverbreitungsgebiet des Eremiten in Sachsen werden die wärmebegünstigten großen Flusstäler und Waldgebiete des Tief- und Hügellandes angenommen. Aktueller Verbreitungsschwerpunkt der Art sind die Elbtalweitung von Pirna bis Riesa und die angrenzenden Bereiche der Naturräume Mulde-Lößhügelland, Mittelsächsisches Lößhügelland und Westlausitzer Hügel- und Bergland. Einzelnachweise liegen beispielsweise auch aus Nordwestsachsen und der nördlichen Oberlausitz vor.

Noch im 19. Jahrhundert galt der Eremit als weit verbreitet und häufig. Heute ist der Käfer in Sachsen und Deutschland stark gefährdet.

Gefährdungen für die Art ergeben sich vor allem aus: Entfernung alter höhlenreicher Laubholzbäume in Wald, Offenland und Siedlungsräumen, intensive forstwirtschaftliche Waldnutzung (strukturarme Wirtschaftswälder mit geringen Umtriebszeiten), zunehmende Verinselung der Lebensräume (geringes Ausbreitungsvermögen) und Baumpflegemaßnahmen bei Straßen-, Park- und Siedlungsbäumen.

Der Eremit gehört zu den prioritären Arten der FFH-Richtlinie, für deren Erhaltung der Europäischen Gemeinschaft eine besondere Verantwortung zukommt.

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Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 62: Artenschutz

Dr. Ulrich Zöphel

FFH-Art 1084

Brutbaum eines Eremiten (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

Brutbaum eines Eremiten (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

FFH-Art 1084

Larven im Mulm (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

Larven im Mulm (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, J. Lorenz)

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