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Stromgründling/Belings Gründling (Romanogobio belingi)

FFH-Art 1124

Nach neuester Taxonomie (Einordnung der Lebewesen in ein biologisches System) umfasst die Gruppe der Weißflossengründlinge drei Arten, von denen zwei in Deutschland nachgewiesen wurden. In Sachsen kommt davon Romanogobio belingi vor, der nach Wolter (2006) als »Stromgründling« benannt und demnach im Folgenden so bezeichnet wird. Im Anhang II der FFH-Richtlinie werden die Weißflossengründlinge nomenklatorisch noch unter der alten Bezeichnung Gobio albipinnatus geführt.

Der Stromgründling ist ein bis zu 13 cm lang gestreckter Karpfenfisch mit unterständigem Maul und je einem Bartfaden in den Mundwinkeln. Die Schwanzflosse ist gegabelt. Rücken- und Schwanzflosse sind nicht oder nur schwach pigmentiert. Die Barteln sind vergleichsweise lang und reichen bis zum Hinterrand des Auges.

Über die Lebensweise des Stromgründlings ist bislang wenig bekannt. Sein Lebensraum sind die tieferen Zonen großer Flüsse mit sandigem und tonhaltigen Böden sowie schnell fließendem Wasser. Der gesellig lebende Bodenfisch ernährt sich von wirbellosen Bodentieren und laicht im Mai bis Juni. Die Art gilt als Portionslaicher (Eier werden über einen größeren Zeitraum verteilt in Portionen in das Wasser abgegeben) und beginnt mit der Fortpflanzung bei einer Temperatur von 15 °C. Laichplätze befinden sich auf sandigen bis kiesigen Substraten, die gut durchströmt und damit sauerstoffreich sind.

Der Stromgründling konnte in Sachsen bisher nur in der Elbe nachgewiesen werden. Da sich die Art jedoch überwiegend in der Strommitte größerer Flüsse aufhält und zudem wahrscheinlich nachtaktiv ist, ist ihre Erfassung problematisch. Voraussichtlich ist mit weiteren Vorkommen zu rechnen.

Gefährdet ist der Stromgründling im Wesentlichen durch

  • intensive(n) Gewässerunterhaltung/-ausbau und  Meliorationsmaßnahmen (Eingriffe in die Flusssohle wie Ausbaggerung, Grundräumung, künstlich veränderte Abflussregulierung, Uferverbau, Fließgewässerbegradigung)
  • Wanderhindernisse (Querverbauungen sowie Wasserkraftanlagen ohne funktionsfähige Fischabstiegsanlagen)
  • Beeinträchtigungen der Gewässergüte und Sauerstoffzehrung durch hohen Nährstoffeintrag

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Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 62: Artenschutz

Dr. Ulrich Zöphel