1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis)

FFH-Art 1887

Das Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis (TRATTINNICK) SEIDL) ist ein einjähriges, liegend bis aufsteigend wachsendes Zwerggras, das kaum mehr als 5 bis 10 Zentimeter hoch wird. Die dünnen Halme und die bauchig aufgeblasenen Blattscheiden sind typische Merkmale der Art.

Die Blütezeit erstreckt sich von August bis Oktober, bei winterannuellen Pflanzen bereits ab Anfang Mai. Die Verbreitung der Diasporen, deren Keimfähigkeit unter Wasser vermutlich über viele Jahre erhalten bleibt, erfolgt durch Wasservögel.

Scheidenblütgras (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, W. Böhnert)

Scheidenblütgras (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, W. Böhnert)

Das Scheidenblütgras wächst auf zeitweise trockenfallenden Schlammböden vorwiegend an periodisch aufgelassenen Teichen und Talsperren. Dabei ist das Auftreten der Art sehr variabel, so dass sie oft jahrelang an bereits bekannten Standorten fehlen kann.

Coleanthus subtilis tritt vorwiegend in kurzlebigen, annuellen Nanocyperetalia-Gesellschaften (Zwergbinsen-Gesellschaften), die auch als Teichboden-Gesellschaften oder Gesellschaften des nackten Teichschlammes bezeichnet werden, und in Littorelletea-Gesellschaften (Strandlings-Gesellschaften) auf.
Häufige Begleiter sind beispielsweise Arten wie Schlammling (Limosella aquatica), Ei-Sumpfsimse (Eleocharis ovata), Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum), Nadel-Sumpfsimse (Eleocharis acicularis), Strandling (Littorella uniflora) und andere.

Das Scheidenblütgras ist in Deutschland, Europa und auch weltweit eine sehr seltene Art, deren Verbreitungsgebiet aus wenigen getrennten Teilarealen besteht.
In Deutschland wurde es lediglich in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Sachsen nachgewiesen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Art im sächsischen Erzgebirge entdeckt und seitdem mehrfach bestätigt. Hier siedelt das Scheidenblütgras vornehmlich an ehemaligen Bergwerksteichen im Raum Freiberg.

Insgesamt sind nur wenige Vorkommen bekannt, die in einzelnen Jahren jedoch Massenbestände bilden können. Weitere Einzelnachweise liegen von Talsperren im Osterzgebirge und aus dem Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet vor.

In der Roten Liste der Farn- und Samenpflanzen Sachsens wird das Scheidenblütgras auf der Vorwarnliste geführt.

Im sächsischen Teilareal dürften die in Deutschland größten und beständigsten Vorkommen des Scheidenblütgrases zu finden sein. Der Freistaat hat damit deutschland- und europaweit eine besondere Verantwortung zur Erhaltung der Art. Aus diesem Grund wurden die bedeutendsten Vorkommen in FFH-Gebietsvorschläge aufgenommen und unter Schutz gestellt.

Als mögliche Gefährdungsursachen der Art sind in erster Linie die Vernichtung der Standorte und das Ausbleiben von periodischen Wasserstandsschwankungen bzw. das Ablassen (Trockenfallen) der Teiche zu nennen.

Marginalspalte

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 62: Artenschutz

Ulrike Heffner

Publikationen

FFH-Art 1887

Berthelsdorfer Teiche mit Scheidenblütgras (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, W. Böhnert)

Berthelsdorfer Teiche mit Scheidenblütgras (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, W. Böhnert)