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Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder

Lebensraumtyp 9170

Von Eichen und Hainbuchen beherrschte Wälder auf grundwasserfernen (wechseltrockenen), nährstoffreichen, lehmig-tonigen Böden werden als Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) bezeichnet.
Neben den namensgebenden Eichen (Quercus petraea, Q. robur) und Hainbuche (Carpinus betulus) treten in der Baumschicht Winterlinde (Tilia cordata) und weitere Arten in unterschiedlichen Mengenanteilen auf.

Eichen-Hainbuchen- Trockenwald (Foto: S. Slobodda, Archiv Naturschutz LfULG)

Eichen-Hainbuchen- Trockenwald (Foto: S. Slobodda, Archiv Naturschutz LfULG)

Die reich strukturierten Wälder zeichnen sich durch eine gut entwickelte Kraut- und Strauchschicht aus. In wärmebegünstigten Hanglangen kommt es zur Ausbildung von Trockenwäldern mit zahlreichen thermophilen Pflanzenarten. Auf Plänerunterlangen stocken beispielsweise die für Sachsen sehr seltenen Ausprägungen mit Sorbus torminalis (zum Beispiel Elbtal bei Oberau, Müglitztal bei Dohna).

Subkontinentale Eichen-Hainbuchenwälder, die ansatzweise in der östlichen Oberlausitz auftreten, werden zum Lebensraumtyp *91G0 (Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus) gerechnet.

Naturnahe Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder sind in Sachsen noch beständig anzutreffen. Sie gehören zur charakteristischen Naturausstattung der größtenteils ackerbaulich genutzten Lößhügelländer und finden sich vorwiegend an Talhängen, in größeren geschlossenen Waldgebieten und auf isolierten Restflächen (Feldgehölze) in der Kulturlandschaft. Im unteren Bergland steigen sie bis in Höhenlagen von etwa 500 Meter ü. NN.

Großflächige naturnahe Waldbereiche, die für eine ungestörte Waldentwicklung notwendig sind, kommen heute in Sachsen nur noch selten vor. Gebiete mit größeren Flächenanteilen des Lebensraumtyps 9170 sind beispielsweise linkselbische Täler zwischen Dresden und Meißen, Triebischtäler, untere Talabschnitte der Freiberger und Zwickauer Mulde sowie Stöckigt und Streitwald.

Gut ausgebildete, strukturreiche Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder nehmen als Teil der potentiellen natürlichen Vegetation von Sachsen heute nur noch einen geringen Anteil der Waldfläche ein. Sie sind nach der Roten Liste der Biotoptypen Sachsens gefährdet und teilweise (auf trockenwarmen Standorten) nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Als Gefährdungsfaktoren der Laubwaldbestände gelten vor allem Umwandlung naturnaher Bestände in Forsten, kurze Umtriebszeiten und Entnahme von Totholz, Nährstoffeintrag durch angrenzende landwirtschaftliche Nutzung, Zerschneidung sowie teilweise touristische Nutzung und Wildschäden.

Marginalspalte

Lebensraumtyp 9170

Grauspecht (Foto: K.- H. Trippmacher, Archiv Naturschutz LfULG)

Grauspecht (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, K.- H. Trippmacher)