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Arnika (Arnica montana)

Arnika gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen in Deutschland und wird auch heute noch häufig bei der Wundheilung eingesetzt. Als Blume des Jahres 1985 (ausgewählt von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen) und Arzneipflanze des Jahres 2001 (ausgewählt vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen“ am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg) wurde ihr in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt.

Wie erkennt man Arnika?

Die Echte Arnika (Arnica montana) – auch Bergwohlverleih genannt – ist eine ausdauernde, stark aromatisch riechende Staudenpflanze, die zu den Korbblütlern gehört. Die ganze Pflanze ist drüsig behaart. Besonders auffällig sind ihre leuchtend dottergelben Blüten, die zwischen Mai und August zu sehen sind. Sie sitzen einzeln oder maximal zu fünft endständig an kräftigen langen Stängeln und können eine Größe von 6 cm erreichen. Die Blüten der Arnika wirken durch die gedrehten und gebogenen Zungenblüten häufig recht unordentlich.
Ein gutes Erkennungsmerkmal sind die drei Zähnchen der Randblüten. Charakteristisch ist auch die grundständige, am Boden anliegende Blattrosette mit hellgrünen, ganzrandigen, derben Blättern ohne Stiel. Die wenigen (1 bis 3 Paare) Stängelblätter wachsen sitzend gegenständig, sind schmaler, spitz auslaufend und kleiner als die Grundblätter. Arnika ist eine der wenigen Korbblütlerarten mit gegenständigen Blättern.

Wo findet man Arnika?

Arnika ist in Europa heimisch. Obwohl sie in allen Höhenlagen bis 2.800 m vorkommen kann, trifft man sie doch vorwiegend im Mittelgebirge. Auch in Sachsen findet man sie v. a. im Bergland und nur noch ganz selten im Hügel- und Tiefland. Am häufigsten wächst Arnika in Magerwiesen und –weiden, auf Heiden, im Randbereich von Mooren und in Waldlichtungen. Entscheidende Voraussetzung sind nährstoffarme, saure und zumindest zeitweise feuchte Lehmböden.

Am eindrucksvollsten entwickeln sich in Sachsen Arnikabestände in den typischen Bergwiesen des Erzgebirges. Hier treten sie stellenweise noch in größeren Beständen auf. Für die Arnika ist es egal, ob es sich um Wiesen oder Weiden handelt –  Hauptsache ist, dass die Flächen nicht oder nur wenig (max. 50 kg Stickstoff pro ha) gedüngt werden. Für die natürliche Verbreitung über Samen oder Ausläufer benötigt die Arnika allerdings freie Bodenstellen, die auf beweideten Flächen häufiger entstehen als auf Wiesen.

Arnika - Verbreitung

Arnika - Verbreitung (Quelle: LfUG)

Medizinische Verwendung von Arnika

Eine der ersten Erwähnungen zur Anwendung von Arnika in der Heilkunde findet sich in einem Kräuterhandbuch von Tabernaemontanus aus dem Jahr 1613:
„Bei den Sachsen braucht es das gemeine Volck
denen so hoch hinuntergefallen
oder so sich sonst etwan mit Arbeit verletzt haben:
Nement eine Handvoll
sieden es in Bier
drincken des Morgents einen Trunk warmb davon
decken sich zu
und schwitzen: Wo sie sich dann verletzt haben
empfinden sie an dem verletzten Ort große Schmertzen
auff zwo oder drey Stund
und werden also kuriert.“

Heute weiß man, dass die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung von Arnika auf den Wirkstoff Helenalin zurückgehen. Dieses Antiseptikum ist allerdings – wie ja viele pflanzliche Wirkstoffe – giftig und muss vorsichtig dosiert werden. Andere Wirkstoffe, die besonders in der Blüte vorhanden sind, können als Herzstärkungsmittel eingesetzt werden.


Der feldmäßige Anbau des Bergwohlverleihs war lange Zeit problematisch und nicht lohnend, so dass Arnika meist in Wildbeständen gesammelt wurde. Da die aus Nordamerika stammende Wiesen-Arnika (Arnica chamissonis) sich leichter anbauen lässt, wurde bei uns zur Gewinnung der Blüten für Arnikapräparate zugelassen. Inzwischen ist es aber durch züchterische Bemühungen gelungen, die Sorte „Arbo“ von Arnica montana zu entwickeln, die für den Feldanbau geeignet ist, so dass die Wildvorkommen geschont werden können.

Starker Rückgang

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert begann der Rückgang von Arnika in Folge des ausgiebigen Gebrauchs in den damaligen Apotheken. Auch in Sachsen wurde Arnika noch bis vor wenigen Jahren gesammelt und zur individuellen Bereitung von Tinkturen verwendet.

In den letzten Jahrzehnten kamen zwei gegenläufige Belastungsfaktoren hinzu. In erster Linie ist es die Intensivierung und damit einhergehende stärkere Düngung, aber es kann auch die Aufgabe der Nutzung, also die Verbrachung sein. Beides führt mittelfristig zum Verschwinden der Art.
Die aktuelle Situation der Arnika in Sachsen zeigt die Verbreitungskarte aus dem Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens: Durch den starken Rückgang innerhalb der letzten 50 Jahre (halb ausgefüllte Kreise) ist sie in weiten Teilen des Tief- und Hügellands bereits ausgestorben. Die ausgefüllten Punkte im Erzgebirge und im Vogtland zeigen nur vermeintlich noch ein häufiges Vorkommen an. Aus der Karte wird nämlich nicht ersichtlich, dass die noch vorhandenen Vorkommen viel individuenärmer geworden sind. In der aktuellen Roten Liste der Gefäßpflanzen Sachsens ist Arnika aufgrund des gravierenden Rückgangs als „stark gefährdet“ eingestuft.

Schutz von Arnika

Bereits 1981 wurde die Arnika in das Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen. Außerdem wird sie unter den Arten des Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union (EU) unter den wirtschaftlich genutzten Arten geführt, die unter eine kontrollierte Nutzung gestellt werden sollen. Gleichzeitig sind auch ihre wichtigsten Lebensräume, die Berg-Mähwiesen, als Lebensraumtypen des Anhangs II der FFH-Richtlinie genannt. In Sachsen sind diese Bestände meist als Goldhaferwiesen, Borstgraswiesen oder Bärwurz-Rotschwingel-Wiesen ausgebildet. Der Freistaat hat gemäß der FFH-Richtlinie ca. 60 % aller bekannten Bergwiesen in 62 FFH-Gebieten an die EU gemeldet. Vorkommensschwerpunkt sind das Erzgebirge, das Vogtland und das Zittauer Gebirge.

Kooperation im Bergwiesenprojekt

Mit dem Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ fördert das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit Verbänden (Landesverband Sächsischer Heimatschutz) und der TU Dresden die Erhaltung der blütenreichen Bergwiesen in der Grenzregion Sachsen-Böhmen in einem Gebiet mit 2.700 ha Größe. Dabei werden im Zeitraum von 1999 bis 2008 insgesamt 5,4 Mio. € eingesetzt. Ein Schwerpunkt der Schutz- und Pflegemaßnahmen ist die Gewährleistung der bestehenden Grünlandnutzung, die Entbuschung, Mahd oder Beweidung brachgefallener Grünlandbereiche sowie der Erwerb von Flächen in sensiblen Bereichen. An der Umsetzung beteiligen sich von Beginn an die ortsansässigen Landwirte, Naturschutzvereine, Verbände und private Eigentümer. Im angrenzenden Tschechien setzt sich das hochwertige Gebiet fort und wurde 1985 als Naturpark Osterzgebirge ausgewiesen. Alle diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass der Rückgang der Arnika in Sachsen gebremst oder sogar gestoppt werden kann.

Marginalspalte

Bild: Biologische Vielfalt

Postkarte und Begleitheft

Arnika (Arnica montana)

Fotos

Arnika (Arnica montana)

Arnika (Arnica montana) (Foto: SMUL)

Arnika (Arnica montana) - bei Geising (NSG Geisingwiesen, Weißeritzkreis)

Arnika (Arnica montana) - bei Geising (NSG Geisingwiesen, Weißeritzkreis) (Foto: LfUG / Jörg Hennersdorf)

Ansprechpartner

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Referat 51, Grundsatzfragen, Recht, Umweltbildung