1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Bodenschätzung

Für die Besteuerung der landwirtschaftlich genutzten Böden auf Basis ihrer Fruchtbarkeit (natürliche Ertragsfähigkeit) wurde in den 30er Jahren deutschlandweit die Reichsbodenschätzung eingeführt und nach 1945 in Westdeutschland bzw. nach 1990 in Ostdeutschland als Bodenschätzung weitergeführt. Die Bodenschätzung obliegt den Finanzämtern (vgl. Karte 1).

Vergrößerte Ansicht der Karte

Karte 1: Natürliche Bodenfruchtbarkeit auf Grundlage der Bodenschätzung

Im Freistaat Sachsen legte die Bodenschätzung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen insgesamt circa 600.000 Grablöcher an. Die resultierenden Daten stellen somit einen unschätzbar wertvollen Pool zur Beantwortung aller Fragestellungen dar, die bezüglich Zusammensetzung, Eigenschaften und Aufbau der Böden in Sachsen auftreten. Überall dort, wo eine von den Bodenverhältnissen abhängige Nutzung, Bewirtschaftung oder Bewertung erfolgt, sind die Daten der Bodenschätzung bedeutungsvoll. Ihrer effizienten Nutzung steht jedoch entgegen, dass die Bodenschätzungsunterlagen nicht flächendeckend digital aufbereitet und datenbankgerecht verfügbar sind.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat bislang die Bodeninformationen zu rund 100.000 Grablöchern datenbankgerecht erfasst. Zu zwei Dritteln dieser Grablöcher wurden ebenfalls die dazugehörigen Flächeninformationen digital aufbereitet (vgl. Karte 2: Bodenschätzung - Digitalisierungsstand Januar 2006).
Vergrößerte Ansicht der Karte

Karte 2: Bodenschätzung - Digitalisierungsstand Januar 2006

Für den Bodenschutz sind die bodenkundlichen Basisinformationen aus der Bodenschätzung vor allem deshalb wertvoll, weil sie in großen Maßstäben vorliegen (1 : 500 bis 1 : 5 000) und somit die Bodenverhältnisse kleinräumig differenzieren. Auf der Grundlage von Grab- und Bohrlöchern im Raster von 50 Metern wurden die landwirtschaftlichen Nutzflächen nach der einheitlichen Vorgabe der Reichsbodenschätzung bodenkundlich beschrieben, bewertet und in so genannten Schätzkarten und Schätzbüchern (Acker- und Grünland) amtlich dokumentiert. Bis heute liegen für diesen Maßstab, der parzellenscharfe Aussagen für Planungen zulässt, keine vergleichbaren Bodenkarten vor.
Die digital erfassten Bodeninformationen aus der Bodenschätzung werden herangezogen, um Bodenfunktionen im Sinne des Bundes-Bodenschutzgesetzes zu bewerten. Einschränkend wirkt dabei, dass die Qualität der Informationen dem bodenkundlichen Wissen der 30er Jahre entspricht und diese auch nicht sonderlich aktuell sind, da die Bodenaufnahme bis zu 65 Jahre zurückliegt.

Verfügbare Bodenschätzungsunterlagen

Für Fragestellungen der Bodenbewertung stehen in Sachsen folgende Bodenschätzungsunterlagen zur Verfügung (Punkt 2-4 davon im LfULG):
1. Analoge originale Schätzungskarten (Maßstab um 1 : 2 000) und Schätzungsbücher, die von den Finanzämtern und der Oberfinanzdirektion geführt werden.
2. Analoge Folien im Maßstab und Blattschnitt der topographischen Karte 1 : 10 000. Diese Karten wurden von 1955 bis 1970 für die landwirtschaftlich bedeutsamen Regionen der DDR auf Grundlage der originalen Bodenschätzung zusammengestellt.
3. Digitale Daten und Karten auf der Grundlage der GEMDAT (Gemeindedatei) im Übersichtsmaßstab 1: 400 000 bis 750 000 (Bodenatlas Sachsen Teil 2: Abb. 6, 7, 11, 12).
4. Seit 1995 werden die bodenkundlich relevanten Inhalte aus den original Bodenschätzungsunterlagen vom LfULG digital erfasst:
  • Schätzungsbücher mit Informationen zum Grabloch (Grablochdatei)
  • Schätzungskarte mit für die landwirtschaftliche Nutzung relevanten Informationen zur digitalisierten Klassenfläche, Klassenabschnittsfläche, Sonderfläche (Klassenzeichen und Wertzahlen) sowie Nutzungsarten der nicht geschätzten Flächen (Flächendatei).

Marginalspalte

Bild: Themenportal Boden, Altlasten - Fachinformationssystem Boden

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 42 Boden, Altlasten

Ruth Hoffmann

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 42 Boden, Altlasten

Holger Joisten