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Rückstände / Natürliche Radionuklide

Natürliche Radionuklide sind ein fester Bestandteil der gesamten Bio- und Lithosphäre. Mensch und Umwelt sind der radioaktiven Strahlung natürlicher Radionuklide ausgesetzt.

Rückstände und deren Entstehung

Die Strahlenexposition kann sich erhöhen, wenn Materialien, die natürliche Radionuklide enthalten, entweder lokal angereichert werden oder bei chemisch-technischen Prozessen Stoffe entstehen, in denen natürliche Radionuklide ebenfalls angereichert werden. Solche Stoffe werden international üblich als Natural Occurring Radioactive Material, kurz NORM bezeichnet, was soviel bedeutet wie natürlich anfallende radioaktive Stoffe. Radiologisch relevant sind NORM erst, wenn die spezifische Aktivität der Radionuklide die geogenen Hintergrundwerte stark übersteigt.

Das kann bei natürlichen Rohstoffen, z. B. Uran- und Thoriumerzen oder Schwermineralien, aber auch bei natürlichen Radionuklidakkumulationen, z. B. in Sedimenten der Fall sein. Wenn die radioaktiven Stoffe durch technologische Prozesse angereichert wurden, spricht man von TENORM (Technologically Enhanced Natural Occurring Radioactive Material). Charakteristisch ist hierbei, dass die natürliche Radioaktivität nicht zielgerichtet ausgenutzt wird.

Ein Beispiel für die Entstehung von TENORM ist die Gewinnung von Metallen aus Erzen. Durch die technologisch-chemischen Prozesse fallen dabei Rückstände wie beispielsweise Asche, Schlacke, Nebengesteine usw.an, in denen sich natürliche Radionuklide lokal anreichern können. Diese Rückstände können als Wertstoffe für die Gewinnung weiterer Produkte genutzt werden oder müssen als Abfälle entsorgt werden.

Eine Übersicht über relevante TENORM-Stoffe in Sachsen gibt die folgende Tabelle:

Tabelle: NORM in Sachsen

Industrie Material Anfall in Sachsen
Aluminium (Bauxit) Rotschlamm nein, aber Altablagerungen
Seltene Erden Schlacken, Stäube, Schlämme, Nebengestein derzeit nicht, Altablagerungen möglich
Zinn Schlacken, Stäube, Nebengestein derzeit nicht, Altstandorte vorhanden
Uran Nebengestein, Schlämme, Sande, Sanierung von Altanlagen des Uranbergbaus
Gewinnung / Aufbereitung anderer Rohstoffe Nebengestein, Schlämme, Sande, Stäube möglich
Quecksilberrecycling Aufbereitungsrückstände ja (enthält Rückstände der Erdöl/ Erdgasindustrie)
Roheisen- / Nichteisen- Verhüttung Stäube und Schlämme der Rauchgasreinigung möglich

Tabelle: Relevante TENORM-Stoffe in Sachsen

Die Kontrolle und Regulierung der TENORM ist in den verschiedenen Staaten nicht einheitlich. Einige Staaten haben gesetzliche Regelungen eingeführt. Weitergehende Informationen dazu sind unter der Internetadresse http://www.tenorm.com/ zu finden. Zur allgemeinen Risikoabschätzung wird eine EU-weite Datengrundlage von TENORM angestrebt. Dabei finden eine Identifizierung von potentiellen TENORM-Quellen und die Ermittlung des Grades ihrer Kontamination statt.

Beispiel: Haldenmaterial

Bergbauhalden wurden und werden z.B. zur Schottergewinnung abgebaut. Dieses Haldenmaterial weist aufgrund seiner Herkunft unterschiedliche radioaktive Konzentrationen auf. Es kann unter Beachtung der Überwachungsgrenzen nach Anlage XII, Teil B für geprüfte Verwendungszwecke (z.B. im Straßen-, Wege-, Landschafts- oder Wasserbau) verwendet werden.

Überwachungsbedürftige Rückstände

Von NORM und TENORM kann aufgrund der Strahlung ein gesundheitliches Risiko für den Menschen ausgehen. Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) beinhaltet deshalb im Teil 3 Regelungen zum Schutz der Bevölkerung gegenüber diesen Rückständen.

Rückstände sind Materialien, die bei den in Anlage XII, Teil A StrlSchV genannten Prozessen anfallen wie beispielsweise Schlämme und Ablagerungen aus der Erdöl- und Erdgasgewinnung und dort genannte Voraussetzungen erfüllen. Darüber hinaus gibt es eine Regelung, wonach die Behörde auch für weitere Materialien Maßnahmen fordern kann, sofern dies aus radiologischen Gründen erforderlich ist.

Überwachungsbedürftig sind Rückstände, wenn ein Radionuklid der Nuklidketten U-238 und Th-232 über 0,2 Bq/g liegt und die Überwachungsgrenzen nach Anlage XII StrlSchV Teil B überschritten werden. Angefallene Rückstände dürfen nicht mit anderen Materialien vermischt werden, um die Überwachungsgrenzen einzuhalten. Eine Verwertung oder Beseitigung der überwachungsbedürftigen Rückstände ist in § 97 bis § 102 in der Strahlenschutzverordnung (Anlage XII) geregelt. Menge und Eigenschaften der Materialien müssen erfasst werden, um zu entscheiden wie mit ihnen weiter umzugehen ist. Die Art der Verwertung oder Entsorgung wird durch die Höhe der Konzentration der Radionuklide solcher Materialien bestimmt. Eine Verwertung oder Beseitigung überwachungsbedürftiger Rückstände ist nur nach einer Entlassung zulässig.

Nachweis der spezifischen Aktivität der Rückstände

Für den zuverlässigen Nachweis der Einhaltung von Überwachungsgrenzen sind für definierte Rückstandsmengen unter Beachtung der konkreten Umstände des jeweiligen Falls geeignete Methoden der Probenahme und der Messung der spezifischen Aktivität zu bestimmen und die häufig auftretende räumliche Heterogenität oder zeitliche Variabilität bei der Ermittlung repräsentativer Werte der spezifischen Aktivität zu beachten. Mit der Empfehlung der Strahlenschutzkommission »Grundsätze und Methoden zur Berücksichtigung von statistischen Unsicherheiten für die Ermittlung repräsentativer Werte der spezifischen Aktivität von Rückständen« vom 22. September 2005 liegt diesbezüglich eine Methodik vor, die entsprechenden Nachweise zu erbringen.

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Bild: Thematische Illustration: Radioaktive Abfälle

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 53: Strahlenschutz

Andrea Sperrhacke

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    Postfach 540137
    01311 Dresden
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    01326 Dresden
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  • TelefaxTelefax: (0351) 2612-5399
  • E-MailE-Mail

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 53: Strahlenschutz

Dr. Jörg Dehnert

  • TelefonTelefon: (0351) 2612-5311
  • TelefaxTelefax: (0351) 2612-5399
  • E-MailE-Mail

Formulare / Merkblätter für die gesetzliche Entlassung von Rückständen aus der strahlenschutzrechtlichen Überwachung