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Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation

Lebensraumtyp 8220

Offene Felsbildungen aus silikatischem Gestein innerhalb und außerhalb des Waldes mit Vorkommen charakteristischer Felsspaltenvegetation des Verbandes Asplenion septentrionalis (Silikat-Felsspaltengesellschaften) werden als Silikatfelsen bezeichnet.

Zu den kennzeichnenden Pflanzenarten gehören vor allem Farne (zum Beispiel Asplenium septentrionale, A. trichomanes, A. adiantum-nigrum, Polypodium vulgare), Moose und Flechten.

Basteiblick im Nationalpark Sächsische Schweiz (Foto: J. Hennersdorf, Archiv Naturschutz LfULG)

Basteiblick im Nationalpark Sächsische Schweiz (Foto: J. Hennersdorf, Archiv Naturschutz LfULG)

Der Lebensraumtyp umfasst neben primären auch sekundäre Felsbildungen, wie beispielsweise Altsteinbrüche mit naturnaher Entwicklung. Als Sonderfall sind auch die sehr seltenen Serpentinitfelsen mit Serpentin-Streifenfarn-Gesellschaften (Asplenietum serpentini) und Arten wie Asplenium cuneifolium und A. adulterinum eingeschlossen.
Sekundäre Vorkommen an alten Mauern oder Bauwerken gehören dagegen nicht zum Lebensraumtyp. Felsbereiche mit Vorkommen von Pioniervegetation (Seslerio-Festucion pallentis) sind unter dem Lebensraumtyp 8230 (Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation) erfasst.

Silikatfelsen und ihre charakteristischen Pflanzengesellschaften können in allen Naturregionen Sachsens auftreten. Der Verbreitungsschwerpunkt ist das Hügel- und Bergland. Großflächige Felsformationen finden sich in der Sächsischen Schweiz und im Zittauer Gebirge, aber auch Erzgebirge und Vogtland weisen zahlreiche, zum Teil bedeutende Felsbildungen auf.
Im Hügelland konzentrieren sich die Vorkommen auf Gebirgsdurchragungen in den Durchbruchstälern, auf Bergkuppen und Höhenrücken. Einzelvorkommen von Serpentinitfelsen sind aus den Naturräumen Mittelerzgebirge, Mulde-Lößhügelland und Erzgebirgsbecken bekannt.

Silikatfelsen mit ihrer spezifischen Vegetation sind nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt. Die extremen mikroklimatischen Bedingungen bewirken eine hochspezialisierte Flora mit vielen seltenen und gefährdeten Arten. Hervorzuheben ist die von der Vernichtung bedrohte Vegetation der Serpentinitfelsen mit einem hohen Anteil endemischer Sippen.

Felsnischen sind außerdem wichtige Brut- und Überwinterungsplätze für Vogelarten beziehungsweise Fledermäuse. Die offenen Felsbildungen sind besonders durch Gesteinsabbau beziehungsweise Materialentnahmen, Freizeitaktivitäten (zum Beispiel Klettersport), Ablagerung von Müll oder anderweitige Fremdnutzung (in Altsteinbrüchen), Straßenbaumaßnahmen und Nährstoffeintrag gefährdet.

Marginalspalte

Lebensraumtyp 8220

Gemeiner Tüpfelfarn (Foto: D. Synatzschke, Archiv Naturschutz LfULG)

Gemeiner Tüpfelfarn (Foto: Archiv Naturschutz LfULG, D. Synatzschke)