Weißtanne (Abies alba)
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Weißtanne (Abies alba)

Eine der Größten Europas

Mit einer Höhe von bis zu 65 m zählt die Weiß-Tanne (Abies alba) zu den höchsten Baumarten Europas. Nicht ganz so hoch, aber dennoch recht stattlich, waren einzelne Baumriesen auch in Sachsen, z. B. die „Königstanne“ im ehemaligen Forstamt Olbernhau, die eine Höhe von 47 m erreichte und 550 Jahre alt wurde, oder die „Sachsentanne“ am Fichtelberg.

Die Weiß-Tanne ist eine Baumart der ozeanischen und gemäßigt-kontinentalen Klimaverhältnisse und besiedelt vor allem die luftfeuchten Lagen der sächsischen Mittelgebirge. Sie hat ein hohes Feuchtigkeitsbedürfnis und ist sehr empfindlich gegen Frost. Die Nährstoffversorgung des Bodens ist dem gegenüber weniger von Relevanz, da die Weiß-Tanne sowohl auf carbonatreichen als auch auf basenarmen Standorten gedeiht. Die Weiß-Tanne wächst im Freistaat Sachsen an der Nordgrenze ihres natürlichen Verbreitungsgebietes.

Verwechslungen der Weiß-Tanne mit der vielerorts recht häufig vertretenen Gemeinen Fichte (Picea abies) können zu dem Trugschluss führen, dass die Tanne noch ein wesentlicher Bestandteil der Wälder Sachsens sei. Dabei fallen beim näheren Hinsehen schnell die entscheidenden Unterschiede auf:

Merkmal Weiß-Tanne (Abies alba) Gemeine Fichte (Picea abies)

Rinde

anfangs dunkelgrau mit Harzbeulen, später silbergrau und in mehr oder weniger rechteckige Schuppen geteilt

kupferbraune Färbung, löst sich in kleinen rundlichen Schuppen ab

Krone

stumpf-kegelförmig spitz-kegelförmig

Nadeln

weich, an der Spitze stumpf, an der Unterseite zwei weiße Wachsstreifen hart, an der Spitze spitz, keine weißen Streifen

Zweige

nach Abfallen der Nadeln glatt nach Abfallen der Nadeln rau

Zapfen

aufrecht an den Ästen stehend und dort zerfallend an den Ästen hängend und im Ganzen abfallend

Warum gibt es in Sachsen kaum noch Tannen?

Weiß-Tannen waren in den sächsischen Mittelgebirgen bis ins 17. Jahrhundert noch mit rund einem Drittel an der Baumartenzusammensetzung beteiligt. 1699 wurden dann erste „Waldrauchschäden“ durch den Landeshistoriker und Pfarrer Lehmann festgestellt: „Gifftiger Thau fällt auf die Wälder und verursacht eine große Fäulnis“. Erste Meldungen über ein massenhaftes Sterben der Tannen in Sachsen sind aus dem Jahre 1875 bekannt.

Der Rückgang der Tanne innerhalb der letzten 200 Jahre hat viele Ursachen:

  • Eine Übernutzung der Waldbestände infolge des gestiegenen Holzbedarfs durch die Bevölkerungszunahme, den Bergbau und das Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert,
  • ein großflächiger Nährstoffentzug durch Waldweide und Streunutzung (Entnahme des Waldbodens als Einstreu in den Ställen) und die daraus resultierende Verarmung der Böden,
  • der Anbau schneller wachsender Fichten- und Kiefernbestände zur Deckung des enormen Bau- und Energieholzbedarfs und die Bewirtschaftung dieser Bestände im Kahlschlagsverfahren,
  • zu hohe Schalenwildbestände und
  • starke Immissionsbelastungen, insbesondere durch Schwefel-Dioxid (SO2).

Anfang der 1990er Jahre fand eine Bestandsaufnahme von Weiß-Tannen mit einem Alter von mindestens 60 Jahren statt. Das Ergebnis war ernüchternd: In ganz Sachsen konnten nur noch rund 2.000 Bäume lokalisiert werden. Bezogen auf die Tanneninventuren der 1950er Jahre entsprach das einem Rückgang von 96 %. Viele dieser Alttannen zeigten zudem deutliche Schädigungen der Benadelung (knapp zwei Drittel wurden als stark geschädigt (Nadelverlust über 60 %) eingestuft) und wiesen aufgrund der wenigen sich vermehrenden Exemplare eine nur geringe genetische Varianz auf. So wird die Weiß-Tanne gegenwärtig auf der Roten Liste für Sachsen als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Wie kann der Tanne geholfen werden?

Zum Arterhalt wurde im Freistaat Sachsen eine beispielhafte Rettungsaktion gestartet. So wurden von 1991 bis 2006 [besser bis 2007, s. Eiche] allein im Landes- und Kommunalwald auf ca. 1.800 ha Weiß-Tannen gepflanzt.


Für eine erfolgreiche Etablierung der Weiß-Tannen müssen diverse Bedingungen geschaffen werden. Diese sind u. a.:

  • eine anhaltend mäßige Unterbrechung des Kronenschlusses über der Verjüngung,
  • die Förderung von Weichlaubbäumen (z. B. Eberesche und Salweide) in den Verjüngungen,
  • eine dauerwaldartige Bestandesbehandlung und
  • die Anpassung der Schalenwildbestände.

Die Wiedereinbringung der Weiß-Tanne erfolgt in der Regel in Mischung mit anderen standortsgerechten Baumarten wie Rot-Buche oder Gemeine Fichte. Angestrebt werden gemischte, vertikal und horizontal gegliederte Waldbestände, die eine größtmögliche Vorbeugung gegenüber künftig zu erwartenden Risiken  (Dürrephasen, Stürme etc.) gewährleisten.

Das Saat- und Pflanzgut für die Wiedereinbringung der Weiß-Tanne wird aus der Beerntung von Weißtannenvorkommen der sächsischen Mittelgebirge, aber auch aus der Beerntung geeigneter Weißtannenherkünfte beispielsweise aus dem Bayerischen Wald oder aus Osteuropa gewonnen. Dies dient insbesondere der erforderlichen Erweiterung der genetischen Vielfalt innerhalb der sächsischen Weißtannenpopulation.

Um den  Anteil der Weiß-Tanne an der Baumartenzusammensetzung in den sächsischen Mittelgebirgen langfristig auf 10 % erhöhen zu können, müssen die Reh- und Rotwildbestände durch die Jagd auf eine Dichte reduziert werden, die eine Verjüngung ohne Zaunschutz ermöglicht.

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Bild: Biologische Vielfalt

Fotos

Tannenzweig mit Zapfen

Tannenzweig mit Zapfen

Alttanne (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Alttanne im sächsischen Landeswald (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Pflanzung junger Tannen (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Die intensive Pflanzung junger Tannen soll das Überleben der Art in Sachsen sichern (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Ansprechpartner

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Referat 51, Grundsatzfragen, Recht, Umweltbildung