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Biologische Vielfalt - Eiche

Sinnbild der Kraft

Schon die Germanen und die Kelten verehrten mächtige Eichen als Baumheiligtümer und hielten unter ihrem Dach religiöse Feiern und Gerichtsversammlungen ab. Die Christianisierung im Mittelalter, bei der 723 Bonifatius die legendäre, dem germanischen Gewitter- und Kriegsgott Donar gewidmete Donar-Eiche bei Fritzlar in Hessen gefällt haben soll, versuchte den Eichenkult der Germanen zu beenden. Die Ehrfurcht vor den großen Bäumen lebte dennoch lange weiter, und nach wie vor steht die Eiche für Eigenschaften wie Unbeugsamkeit, Freiheitsliebe und Stolz.

Eichen können mehr als  1.000 Jahre alt werden. Dabei erreichen sie Höhen von 50 m, einen Stammdurchmesser von bis zu 3 m und bilden dabei  ausladende Baumkronen aus. Sprichwörtlich ist die lange Pfahlwurzel der Eiche, die den Baum fest im Boden verankert und oft bis ins Grundwasser reicht. Dass in Eichen häufiger der Blitz einschlägt, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Sicher ist aber, dass man während eines Gewitters alle Bäume meiden sollte!

Unbekannte Schwester

Die in Sachsen heimischen Eichenarten sind die Stiel- (Quercus robur) und die Trauben-Eiche (Quercus petraea). Auf den ersten Blick sehen beide Eichen gleich aus, aber es gibt einige deutliche Unterschiede, die jeder Laie sofort erkennen kann (s. Kasten). Manchmal findet man aber auch Bastarde aus beiden Eichenarten, die keine klar erkennbaren Unterscheidungsmerkmale aufweisen.

 

Merkmal Stiel-Eiche (Quercus robur) Trauben-Eiche (Quercus petraea)

Blattfall

im Herbst, „Sommereiche“

im nächsten Frühjahr, „Wintereiche“

Blattstiele

ungestielt oder sehr kurz gestielt

längere Stiele (1 – 3 cm)

Blattform

elliptisch (Blattgrund und am Blattende etwa gleich breit)

am Blattgrund schmal und am Blattende breit

Blattrand

unregelmäßig gelappt

regelmäßig gelappt

Eicheln

an langen Stielen

kaum gestielt, in Trauben hängend

Eichelform

länglich

kürzer und gedrungener

Stiel- und Trauben-Eiche haben in Mitteleuropa ein sich überlagerndes Verbreitungsgebiet. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Standortsansprüche prägt die Stiel-Eiche das natürliche Waldbild vor allem im Tiefland und die Trauben-Eiche vor allem im Hügelland. Das harte Eichenholz ist sehr gefragt als Furnier- und Bauholz, aber auch als Energieholz.

Rückgang der Eichen

Nach der Eiszeit waren die Eichen zeitweise die dominierenden Baumarten in Mitteleuropa. Als das Klima vor ca. 3.000 Jahren feuchter wurde, setzte sich fast überall die Rot-Buche durch. Die Rodungsperioden im Mittelalter und die intensive Holznutzung im 19. Jahrhundert machten schließlich eine geregelte und nachhaltige  Waldbewirtschaftung unentbehrlich. Diese erfolgte in Sachsen nach den Ideen von Heinrich Cotta. Dabei wurden zum Erhalt und zur Wiederbegründung der Wälder vor allem Fichten und Kiefern verwendet. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führten auch in der Folge dazu, dass an diesen Baumarten festgehalten wurde, so dass der heutige Anteil der Eichenbestände nur noch ca. 7,4 % an der Waldfläche in Sachsen beträgt.

Waldumbau

Seit 15 Jahren wird von der sächsischen Forstverwaltung ein großes Waldumbauprogramm verfolgt mit dem Ziel, die durch Fichten und Kiefern geprägten Wirtschaftswälder in strukturreiche Mischbestände umzuformen. Dabei wurden zwischen 1994 und 2007 allein im Landeswald über 1.500 ha Waldfläche mit Eichen bepflanzt. Dies erfolgte sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen. Mischwälder sind stabiler und weniger anfällig gegen Stürme, Schädlinge oder auch Klimaänderungen. Neben der Baumartenmischung trägt vor allem ein erhöhter Strukturreichtum zur Artenvielfalt in den Wäldern bei.

Eichen im Klimawandel

Ein wichtiger Auslöser für den Waldumbau zugunsten der Eichen ist der Klimawandel, der im Wesentlichen durch eine Erwärmung und einen Niederschlagsrückgang gekennzeichnet sein wird. Die Eichen sind aufgrund ihrer Standortsansprüche und ihrer Regenerationsfähigkeit Baumarten, die mit der Klimaveränderung gut zurechtkommen und deren  Verbreitungsgebiet sich voraussichtlich in die unteren bis mittleren Berglagen der sächsischen Mittelgebirge ausdehnen wird. Im Gegensatz zu anderen Laubbäumen ist beispielsweise die Sterberate auch in trockenen Jahren nicht erhöht.

Europaweiter Schutz der Eichenwälder

Alle Mitgliedsländer der EU haben entsprechend der sog. Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) ein Netz aus Schutzgebieten aufgebaut, das repräsentative Landschaftsausschnitte mit europaweit besonders gefährdeten Lebensräumen und Arten enthält.

Folgende, in Sachsen vorkommende Eichenwaldtypen sind in der FFH-Richtlinie aufgeführt:

Exemplarisch können hier drei Beispiele dargestellt werden:

  • Die Flussauen im FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“ weisen ausgedehnte Eichen- bzw. Eschen-Ulmen-Auwälder und Eichen-Hainbuchenwälder auf. Charakteristische Vogelart dieser strukturreichen eichendominierten Laubwälder ist der Mittelspecht (Dendrocopos medius), der vorwiegend in alten Eichen seine Höhlen baut.
  • Im Bereich des FFH-Gebiets „Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz“ tritt als prioritärer Lebensraumtyp der „pannonische (subkontinentale) Eichen-Hainbuchenwald“ auf. Diese Mischwälder mit ihren bestimmenden Baumarten Hainbuche (Carpinus betulus), Stiel-Eiche (Quercus robur) und Winter-Linde (Tilia cordata) bevorzugen wechseltrockene Böden in zumeist wärmebegünstigten Lagen.
  • In dem FFH-Gebiet „Täler südöstlich Lommatzsch“ sind auf den nährstoffreichen Lößböden die „Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder“ typisch. Ca. 60 % der in Sachsen bekannten Flächen dieses Waldtyps sind in 89 FFH-Gebieten geschützt. In den Sommermonaten sind die Wälder dieses Gebiets u. a. der bevorzugte Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).

Eichen als Zentrum biologischer Vielfalt

Alte Eichen spielen in Wäldern oft eine zentrale Funktion für die biologische Vielfalt. Auf keiner anderen einheimischen Baumart leben mehr spezialisierte Insektenarten. Für die Strukturvielfalt der Eichenwälder  nehmen die Spechte wie Mittel- und Schwarzspecht (Dryocopus martius) als Höhlenbauer eine Schlüsselrolle ein, denn die Höhlen werden später von einer Vielzahl anderer Tierarten genutzt. Dazu gehören z. B. Käuze, Hohltauben und verschiedene Fledermausarten wie Bechstein- (Myotis bechsteinii) oder Mopsfledermaus. Eine Voraussetzung für einen hohen Artenreichtum ist starkes stehendes und liegendes Totholz in angemessenem Umfang. Dessen Erhaltung und Anreicherung wird im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung angestrebt. So finden sich in Alt- und Totholzbeständen von Eichen vorzugsweise besonders gefährdete Käferarten wie der Eremit (Osmoderma eremita), der Hirschkäfer (Lucanus cervus) oder der vom Aussterben bedrohte Heldbock (Cerambyx cerdo), die alle drei als Arten der FFH-Richtlinie europaweit geschützt werden.

Marginalspalte

Bild: Biologische Vielfalt

Postkarte und Begleitheft

Ansprechpartner

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Referat 51, Grundsatzfragen, Recht, Umweltbildung

Fotos

Steileiche (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Die Eicheln der Stieleiche (Quercus robur) sind eher länglich und sitzen an langen Stielen (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Traubeneiche (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)

Die Blätter der Traubeneiche (Quercus petraea) sind deutlich gestielt und am Blattgrund schmaler als am Blattende (Foto: Staatsbetrieb Sachsenforst)