Lupensymbol fuer Suche

Bioreaktoren - heterotrophe Sulfatreduktion

Verfahrensbeschreibung

Durch Zugabe einer gut verwertbaren Kohlenstoffquelle wird in einem geschlossenen Reaktor mikrobielle Sulfatreduktion induziert.

Einsatzbereich
sulfat- und eisenhaltige Oberflächenwässer
Behandlungsziel
Minderung der Sulfatkonzentration in Oberflächengewässern und Erhöhung der Alkalinität (Minderung der Säurelast)
Verfahrensart
Bergbau
Umwelteinflüsse
Errichtung einer technischen Wasserbehandlungsanlage; Entnahme und Einleitung von Wasser; Deponierung von Sulfidschlämmen
Überwachung
Monitoring des Zu- und Ablaufs der Anlage
Nachsorge
Monitoring des Zu- und Ablaufs der Anlage
Nachbesserung
Rückführung des entstehenden Sulfids in einem separaten Reaktor, um im Zustrom ebenfalls enthaltene Metall(oid-)e als Sulfide zu fällen und somit ihre toxische Wirkung auf die Sulfatreduzierer zu unterbinden
Relevante Prozesse
  • Mikrobielle Sulfatreduktion
  • Eisensulfidfällung
  • Sulfidstrippung
  • Rückoxidation
Anwendungsstand
Entwicklungsphase
Zeitaufwand
keine Angabe

Rechtliche Anforderungen

Arbeitsschutz
- TRGS 524; bei Glycerin als C-Quelle: TRGS 402, 500, 509, 510, 524, 800; - DGUV-Regel 101-004 „Kontaminierter Bereiche“, bei Glycerin als C-Quelle: DGUV-Regel 112-195 "Benutzung von Schutzhandschuhen"; - GefStoffV; - Materialienband "Leitfaden zum Arbeitsschutz bei der Altlastenbehandlung" des Freistaates Sachsen; - DIN-Vorschriften der VOB Teil C
Bestehende Patentrechte
Verschiedene Prozessauslegungen wie z.B. BioSure®, Thiopaq®
Genehmigungsfähigkeit
Zugabe einer Kohlenstoffquelle in den behandelten Wasserstrom, sichere Deponierung der Sulfidschlämme; Einleitung des behandelten Wassers (Rest - Corg)
Erforderliche Genehmigungen
Gesetz Notwendig
Abfallrecht u. U.
Baurecht Ja
Immissionsschutzrecht Nein
Wasserrecht Ja
Sonstige u. U.

Bewertung

Eignungsgrad für Schadstoffe
gut
  • Sulfate
  • Schwermetalle
  • basisches Wasser
bedingt
  • Arsen
  • Blei
  • Cadmium
  • Phosphate
  • Saures Wasser
ungeeignet
  • Schwebstoffe mit adsorbierten Schadstoffen
  • Schwefelwasserstoff
Umweltauswirkung
hoch mittel gering ohne
Transportaufkommen X
Abfallaufkommen X
Flächenbedarf X
Bodenbelastung X
Grundwasserbelastung X
Luftbelastung X
Lärmbelastung X
Anforderungen
  • pH-Optimum der heterotrophen Sulfatreduktion 7…7,5
  • Anpassung des Verfahrensschemas mit H2S-Rückführung bei toxischen Metallkonzentrationen
Anforderungen an Umwelt
  • Entnahme und Einleitung von Wasser
  • Zufuhr einer Kohlenstoffquelle in den behandelten Wasserstrom – vollständiger Abbau?
Beispiele weltweit
  • einige full scale Anlagen
  • Mintek Kohlemine, Südafrika (Pilotanlage)
  • Grootvlei Goldmine, Südafrika, BioSURE-Prozess
  • Budelco, Zinkraffinerie, Aufbereitung Prozesswasser mit THIOPAC®-Verfahren
Beispiele in Sachsen
  • Pilotvorhaben am Standort Nochten
Leistungsfähigkeit unter sächsischen Bedingungen
  • für Hotspots gefasster Wässer;
  • eher geeignet für sehr hohe Konzentrationen (mehrere g/L Sulfat)
Vorteile
  • gute Prozesskontrolle (aktives Verfahren)
  • Erzeugung hoher Alkalinitäten
  • hohe Reaktionsraten möglich
  • Gewinnung von Metallsulfiden bei Kombination mit entsprechenden Aufbereitungsprozessen möglich
Nachteile
  • Kosten für Wasserfassung
  • generell hohe spezifische Kosten für Kohlenstoffquelle
  • aufwendige Steuerung
  • Reaktorvolumen begrenzt
  • Verringerung der Raten im Winter, wenn Bioreaktor nicht temperiert wird
Investitionskosten
  • 0,7 €/kg Sulfat (Pilotanlage 12 m³/h, Baukosten 690.000 €, Bioplanta, 2012)
  • dazu kommen Kosten für Planung
  • ggf. Grundstückskauf und Genehmigung
Kosten für laufenden Betrieb
  • 0,3 €/m³ Personalkosten (für o. g. Pilotanlage Bioplanta, 2012)
Kosten für Chemikalien
  • 0,53 €/m³ (0,55 €/kgSO4) , 650 kg Melasse pro 1000 kg Sulfat (Bioplanta, 2012)
  • 850 kg Corg pro 1000 kg Sulfat (Grootvlei Goldmine, Südafrika, Rose, 2013)
Datenstand
14.01.2020

Literatur

  • Bilek F (2013) Grubenwassergenese und -behandlung Beiträge zur Modell- und Technologie-Entwicklung. Habilitationsschrift, Proceedings des Dresdner Grundwasserforschungszentrums e. V. Heft 48, ISSN 1430-0176.
  • Rose P (2013) Long-term sustainability in the management of acid mine drainage wastewaters - Development of the Rhodes BioSURE Process Long-term sustainability in the management of acid mine drainage wastewaters – development of the Rhodes Bio-SURE Process. Water SA 39:583–592.
  • van Lier, Buisman CJN, Piret NL (1999) THIOPAQ® technology: Versatile high-rate biotech-nology for the mining and metallurgical industries. Global symposium on recycling, waste treatment and clean technology; REWAS '99; 1999; San Sebastian, Spain, S. 2319-2328