1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Kippenversauerung - 2013 bis 2016

Maßnahmen gegen die Kippenversauerung in Bergbaufolgelandschaften der Braunkohle

In den Regionen mit aktivem Braunkohlenbergbau sowie in den Bergbaufolgelandschaften der Braunkohle ist der natürliche Wasserhaushalt stark beeinträchtigt.

Nachteilige Auswirkungen sind großflächige und langfristige, zum Teil dauerhaft anhaltende Veränderungen von Menge und Beschaffenheit sowohl des Sicker- und Grundwassers als auch der Fließ- und Standgewässer.

Wesentliche Ursache ist die bergbaubedingte Grundwasserabsenkung und der damit verbundene Sauerstoffzutritt, der zur Pyritverwitterung führt. Das Mineral Pyrit und seine Modifikation Markasit sind insbesondere in den tertiären Lockergesteinen enthalten.

Die Folge der Verwitterung, bei der beträchtliche Mengen an Schwefelsäure, Sulfat und Eisen entstehen, ist eine Versauerung der Kippen und des anstehenden Grundwassers. Durch den nachbergbaulichen Wiederanstieg des Grundwassers, füllen sich über einen mehrjährigen Zeitraum die vorhandenen Restlöcher mit selbigem, bis der geplante Endwasserstand erreicht ist. Durch das mit Säure, Eisen und Sulfat stark belastete Grundwasser, weist dann das Seewasser ebenfalls eine entsprechende Belastung auf, wobei sich hier eine gewisse Differenzierung der Belastungsstärke aus der Lage von Kippe und See hinsichtlich der Anströmungsrichtung des Grundwassers ergibt. Je mehr Kippengrundwasser in den See einströmt, desto stärker auch die Belastung des Seewassers.

Anders stellt sich die Wasserqualität in den Bergbaufolgeseen dar, wenn eine Fremdflutung mit Oberflächenwasser aus den umgebenden Fließgewässern oder mit qualitativ unbelastetem Sümpfungswasser vorgenommen wird – aber auch hier muss eine gesteuerte Nachsorge erfolgen, um die diffus einströmenden, belasteten Grundwassermengen unschädlich zu machen.

Nach Abschluss des Grundwasserwiederanstiegs setzt auch der diffuse Übertritt von Grundwasser in die Fließgewässer wieder ein. Auch hier sind je nach Belastungsintensität des Grundwassers Auswirkungen auf die Fließgewässer nachweisbar. Besonders augenscheinlich ist die Eisenbelastung durch eine Braunfärbung des Flusswassers wahrnehmbar, die bei einer Belastung von ca. 3 mg/ l Eisen-gesamt einsetzt. Sulfat ist zwar nicht sichtbar aber die Belastungsintensität ist so gut wie ungebremst, da es weder technisch effektive Verfahren zur Abreinigung gibt und auch die natürliche Selbstreinigungskraft der Fließgewässer so gut wie unwirksam ist – hier hilft allein die Verdünnung mit un- oder wenig belastetem Wasser. Hingegen macht sich die Versauerung nur in geringem Maße bemerkbar und führt in vielen Fällen nur zu einer geringen Absenkung des pH-Wertes, der zumeist auch nur über relativ kurze Fließstrecken anhält.

Da in den bereits sanierten Bergbaufolgelandschaften der Braunkohle nur begrenzte Möglichkeiten für die Minderung von Versauerungspotentialen der Kippen erschließbar sind, zielte das Vorhaben schwerpunktmäßig auf Maßnahmen gegen die Kippenversauerung im aktiven Braunkohlenbergbau.

Ziel des Werkvertrages war es, den aktuellen Stand der „Beste-Praxis“-Verfahren gegen die Kippenversauerung im aktiven und im Sanierungsbergbau für Sachsen, Deutschland, Europa und die Welt zusammenzutragen und bezüglich ihrer Kosten-Nutzen-Relation sowie weiterer Kriterien zu bewerten. Ergänzend sollten durchgeführte Pilotvorhaben aufgeführt und bewertet werden.

Marginalspalte

Bild: Kippe Tagebau Vereinigtes Schleenhain, Foto: Dr. F. Herbst

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 44: Oberflächenwasser, Wasserrahmenrichtlinie (Braunkohlefolgen)

Dr. Frank Herbst