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Chancen & Ziele der Braunkohlefolgeseen

In der »Rahmenvereinbahrung zur Übertragung der Braunkohlefolgeseen im Freistaat Sachsen«, die zwischen der LMBV und dem Freistaat Sachsen am 15.01.2008 abgeschlossen wurde, ist festgelegt, dass die sächsischen Braunkohlefolgeseen mit wasserwirtschaftlicher, wirtschaftlicher und oder naturschutzfachlicher Bedeutung (bzw. diesbezüglichem Entwicklungspotential) nach Abschluss der Sanierung durch den Freistaat Sachsen übernommen werden. Damit gehen auch alle Pflichten zur Gewährleistung der Standsicherheit der Böschungssysteme und der Erhaltung der Nutzbarkeit an den Freistaat Sachsen über. Selbstverständlich ist, dass nur solche Seen übernommen werden können, wo diese beiden Aspekte in vollem Umfang sichergestellt und weiterhin möglich sind.

In beiden Braunkohleregionen ist die Entwicklung einer attraktiven wasser- und landgebundenen Erholungslandschaft geplant. Die Umsetzung ist in vollem Gange und wird in Westsachsen im Rahmen des »Leipziger Neuseenland« und in Ostsachsen im Rahmen des »Lausitzer Seenland« organisiert. An etwa der Hälfte aller sächsischen Braunkohlefolgeseen ist die Entwicklung einer intensiven wasser- und landseitigen Erholungsnutzung vorgesehen. Die Annahme der touristischen Angebote hängt in starkem Maße nicht nur von der attraktiven Gestaltung der Infrastruktur und der touristischen Einrichtungen ab, sondern auch in erheblichem Maße von der Attraktivität und dem naturnahen Erscheinungsbild der Standgewässer und deren unmittelbarer Umgebung.

Gegenwärtig ist davon auszugehen, dass in Westsachen fünf und in Ostsachsen acht Bergbaufolgeseen langfristig einen sauren pH-Wert aufweisen werden. Die touristische Nutzbarkeit saurer Bergbaufolgessen ist prinzipiell nur gering eingeschränkt. Nach Aussagen des Umweltbundesamtes liegen bis zu einem pH-Wert von 3,5 keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen bei Badegästen vor. Vorsicht ist hingegen bei allen Materialien geboten, die in das saure Wasser eingebracht werden oder mit saurem Grundwasser in Berührung kommen, wie beispielweise Boote oder Pfeiler für Stege. Diese müssen säureresistent sein, weil sonst sofort eine bis zur vollständigen Auflösung fortschreitende Korrosion einsetzt.

Braunkohlefolgeseen, die aufgrund von Eisen- und Säurebelastung braun gefärbtes Seewasser aufweisen, sind für eine touristische Nutzung eher unattraktiv und damit ungeeignet, was sicherlich einfach nachvollziehbar ist. Für den Naturschutz entstehen aber gerade auch hier Chancen und Potentiale. Nahezu alle pflanzlichen und tierischen Lebewesen, die in Seen mit neutralem pH-Wert vorkommen, sind in sauren Seen nicht zu finden. Für diese extremen Bedingungen gibt es einige im Wasser lebende, speziell angepasste Pflanzenarten und Algen. Insgesamt gesehen ist das Artenspektrum einer solchen Biozönose im Vergleich zu neutralen Seen sehr viel geringer, aber naturschutzfachlich ggf. äußerst wertvoll. Fische können allerdings unter diesen Bedingungen nicht existieren. Ein Fischbestand kann sich erst mit einem pH-Wert von größer 6,0 einstellen, der auch für eine fischereiliche Nutzung Voraussetzung ist. Grundsätzlich gilt jedoch, dass ein solcher Zustand keine erheblichen negativen Auswirkungen auf seine umgebende Umwelt ausüben darf.

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Bild: Ostufer des Bockwitzer Sees, Foto: Gernot Viehweger, LfULG

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 44: Oberflächenwasser, Wasserrahmenrichtlinie

Karin Kuhn

Weiterführende Informationen