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Lebensraum Boden

Schon eine Handvoll fruchtbaren Ackerbodens enthält Milliarden von Lebewesen in einem unglaublichen Formenreichtum. Bakterien, Pilze, Amöben, Geißel- und Wimperntierchen, Fadenwürmer, Collembolen (Springschwänze), Regenwürmer und viele andere Organismen verarbeiten die organische Substanz, sie mineralisieren die Nährelemente für die im Boden wurzelnden Pflanzen, gestalten und festigen das Bodengefüge, und bieten selbst eine schier unerschöpfliche Nahrungsgrundlage für Insekten, Vögel und Säuger. Das sich unauffällig im Verborgenen abspielende Bodenleben ist die Basis für all die sichtbare Vielfalt des Lebens und damit auch für unsere eigene Existenz auf der Erde.

Die Gesamtheit der Bodenorganismen wird als Edaphon bezeichnet. Die Frischmasse des Edaphons beträgt im Durchschnitt 15 t/ha. Davon entfallen etwa 60% auf Pilze, 30% auf Bakterien und 10% auf die Bodentiere. Dem flüchtigen Betrachter des Ackerbodens erschließen sich meist nur die größeren Organismen, wie z.B. Käfer und Spinnen, Regenwürmer, Maulwürfe und Wühlmäuse.

Und doch machen diese Tiere lediglich einen verschwindend geringen Teil der Gesamtheit des Bodenlebens aus. Das summierte Gewicht aller auf einem einzigen Hektar Ackerland lebenden Regenwürmer, Insekten, Collembolen (millimeterkleine so genannte Springschwänze) und anderen kleinen Bodentiere kann unter günstigen Umständen mehr als eine Tonne betragen. Beeindruckend ist auch die Zahl der Bodenmikroben. In der oberen Schicht (30 cm) eines fruchtbaren Ackerbodens leben pro Quadratmeter etwa eine Billiarde Bakterien. Aneinander gereiht zu einer langen Kette könnte man diese 25 mal um den Erdball legen.

Eine Vielzahl von Nahrungsketten greift im Ackerboden reibungslos ineinander. Bereits am Abbau von Stroh und anderen Ernterückständen sind unzählige Organismen beteiligt. Regenwürmer, Tausendfüßler, Insektenlarven, Asseln und Springschwänze fressen die Pflanzenreste, zerkleinern sie mechanisch und bieten so weiteren Tieren und Pilzen Angriffspunkte. Andere Organismen haben sich auf den noch immer nährstoffreichen Kot von »Primärzersetzern« spezialisiert und bauen ihn weiter ab; ihre Hinterlassenschaft wiederum bietet Bakterien die Lebensgrundlage, die daraus mineralische Pflanzennährstoffe formen. Bakterien stellen ihrerseits die Nahrung von Einzellern dar; diese wiederum werden von größeren Räubern erbeutet. Hundertfüßer, Spinnen, Laufkäfer und schließlich der Maulwurf stehen an der Spitze dieser Nahrungskette im Boden, bis auch deren Körper wieder in den Kreislauf der Stoffumsetzungen eingehen.

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Bild: Themenportal Boden, Altlasten - Lebensraum Boden

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 72: Pflanzenbau

Ellen Müller

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 42 Boden, Altlasten

Tatjana Bräutigam