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Verkehr und Umweltauswirkungen im Jahr 2020

Nach Prognosen des Statistischen Landesamtes Sachsen (3. regionalisierte Bevölkerungsprognose des Freistaates Sachsen 2003) wird die Bevölkerung Sachsens bis zum Jahr 2020 ja nach Variante zwischen 14,5 und 16,4% schrumpfen, wobei es auch zu gravierenden Änderungen der Altersstruktur kommt. In manchen Landkreisen wird eine regelrechte Überalterung prognostiziert.

Dem gegenüber stehen Prognosen einer insgesamt weiteren Zunahme des Verkehrs, insbesondere des Güterfernverkehrs auf der Straße. Doch auch für die Personenverkehrsleistung pro Kopf der Bevölkerung wird eine weitere Steigerung prognostiziert.
 
Im Rahmen des Forschungsprojektes (Laufzeit: Januar 2003 bis Dezember 2004) „Umweltauswirkungen der demografischen und verkehrlichen Entwicklung in Sachsen“  (Kurzbezeichnung: DAVUS) ist das LfUG der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die erwartete Bevölkerungsentwicklung für den künftigen Verkehr haben wird und wie hierdurch ausgewählte Umweltwirkungen des Verkehrs beeinflusst werden. Schwerpunkt des Vorhabens war der Straßenverkehr.

Verkehrsentwicklung

Erster Schritt der Untersuchung war die Erstellung eines geeigneten Verkehrsmodells, welches sowohl heutige als auch künftige Verkehre abbildet und gleichzeitig Möglichkeiten für eine Modellierung der Umweltwirkungen bietet. Auf Grundlage der bestehenden Raumstrukturen (Verteilung der Bevölkerung und der Altersgruppen, Siedlungen, Verkehrswege, öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser u.a.) wurde hierzu die Anzahl der täglichen Wege (Ortsveränderungen) prognostiziert und mit Hilfe geeigneter Kennziffern auf die Straßenverkehrsmittel (Pkw, Bus etc.) verteilt.

Während die Ortsveränderungen bedingt durch die Bevölkerungsentwicklung in der Summe voraussichtlich abnehmen werden, zeigt das Vorhaben, dass im Durchschnitt jeder Einzelne künftig mehr Wege pro Tag zurücklegen wird.

  Ortsveränderungen / Tag Ortsveränderungen / Person und Tag
2000 ~ 13.576.000 3,07
2020 ~ 11.965.000 3,16
Entwicklung 88,1% 103,0%

Die Zuwendung zum Pkw wird auch in den nächsten Jahren anhalten. Neben der wachsenden Verfügbarkeit von Autos spielt dabei die geringe Existenz von Alternativen vor allem im ländlichen Raum eine Rolle. Die Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum wird dort eine Versorgung mit dem öffentlichen Verkehr weiter erschweren. Werden die gesamten Ortsveränderungen auf die Verkehrsmittel verteilt, lässt sich feststellen, dass der Pkw im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung (-14,5%) vergleichsweise geringe Rückgänge (-4,2%) aufweist. Die folgende Tabelle zeigt die prognostizierten Straßenverkehrsleistungen in Sachsen in den Jahren 2000 und 2020.

Fahrzeugkategorie 2000 2020 Entwicklung
Mio. Fahrzeugkilometer
PKW 27.194 26.047 - 4,2%
Busse 191 198 + 3,7%
Güterverkehr 5.607 6.428 + 14,6%
Zweiräder 607 805 + 32,6%
gesamt 33.604 33.481 - 0,4%

Bezieht man den weiter steigenden Güterverkehr in die Untersuchung ein, dürfte sich die Verkehrsleistung (Fahrzeugkilometer) zwischen 2000 und 2020 trotz stark sinkender Bevölkerungszahlen kaum verändern!

Umweltauswirkungen

Aufbauend auf den Prognosen zur Verkehrsentwicklung in Sachsen wurde im Vorhaben die Entwicklung ausgewählter relevanter Umweltauswirkungen (Luftschadstoffe, Landschaftszerschneidung und Flächeninanspruchnahme) näher untersucht.

Die Prognose der Luftschadstoffemissionen erfolgte mit Hilfe des „Handbuch Emissionsfaktoren“ (HBEFA), welches für vorhandene Fahrzeugarten (z. B. Benziner mit EURO-3 Abgasnorm, Dieselfahrzeug mit Russfilter) sowie Verkehrssituationen (z. B. staufreie Fahrt auf der Autobahn, zähfließender Verkehr in Innenstädten) und für ausgewählte Schadstoffe so genannte Emissionsfaktoren anbietet. Diese wurden mit den Verkehrsleistungen verknüpft und ergeben letztendlich geschätzte Emissionen im sächsischen Straßenverkehrsnetz.

Im Prognosezeitraum gehen die Luftschadstoffemissionen in Abhängigkeit von der betrachteten Komponente mehr oder weniger stark zurück. Diese Rückgänge sind primär auf technische Verbesserungen zurückzuführen. Deutlich wird, dass trotz der hohen Verkehrsleistung des Pkw (77,8% der Fahrzeugkilometer) dieser nur bei den Schadstoffen CO (79,8%) und Benzol (51,9%) der stärkste Emittent sein wird. Bei NOx (64,9%) und Partikelemissionen (54,4%) wird künftig der Güterverkehr im Mittelpunkt stehen.  Die folgende Tabelle gibt einen zusammenfassenden Überblick über die geschätzten Emissionen (t/Jahr) des Straßenverkehrs (Personen- und Güterverkehr) in Sachsen für die Jahre 2000 und 2020.

Schadstoffe Jahr 2000 Jahr 2020 Entwicklung
CO2 8.822.635 7.521.334 85%
CO 127.556 41.668 33%
NOx 43.602 16.547 38%
HC 22.016 5.887 21%
NMHC 21.313 5.716 21%
CH4 808 181 22%
Benzol 917 161 15%
Partikel 3.675 2.610 71%
SO2 920 37 4%
Kraftstoff 2.778.992 2.368.999 85%

Angaben zur Landschaftszerschneidung (unzerschnittene störungsarme Räume > 40 qkm) in Sachsen enthält bereits der Landesentwicklungsplan 2003 (Karte 6). Auswirkungen der Verkehrsentwicklung bis 2020 auf eine Veränderung der Zerschneidung sind insgesamt gering, da die Änderungen der Verkehrsmengen relativ gering sind. Vielmehr erfolgen neue Zerschneidungen weitgehend durch den Neubau neuer überörtlicher Straßen in Sachsen. Hier führt sowohl der Neubau der A17 und der A38 zur Zerstörung unzerschnittener Räume. Die Erschließung neuer Siedlungsflächen spielt für Fragen der großräumigen Zerschneidung nahezu keine Rolle.

Aspekte der künftigen Flächeninanspruchnahme wurden im Vorhaben für die Raumnutzung „Wohnen“ untersucht. Mit der Neunachfrage nach Wohnflächen ist stets eine innere und äußere Erschließung verbunden. Durch Auswertung des digitalen Raumordnungskatasters (DIGROK) konnte zunächst festgehalten werden, dass in den sächsischen Kreisen ausreichend Bauland zur Verfügung steht. Einem Nachfragebedarf von rund 60.000 Wohneinheiten (WE) steht sachsenweit auf der Angebotsseite bis zu ca. 88.000 WE gegenüber, jedoch mit inhomogener Verteilung innerhalb des Freistaates.

Ausgehend von Analysen des Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) erfordert die verkehrliche Erschließung von Wohnbauland rund 17% der vorhandenen Fläche.  Würden im Maximalfall alle im DIGROK enthaltenen Wohnbauflächen (Bestand und Planung) vollständig bebaut und dabei auch potenzielle Vornutzungen berücksichtigt, würde bis 2020 täglich eine Verkehrsfläche von 0,31 ha in Anspruch genommen.

Fazit, Abschlussbericht 2005

Für Sachsen kann prognostiziert werden, dass die demografische Entwicklung vergleichsweise geringen Einfluss auf die künftigen Umweltwirkungen des Verkehrs haben wird. Allerdings zeigt sich, dass vor allem in ländlichen Räumen mit starkem Bevölkerungsrückgang und wenigen überregionalen Verkehrsadern positive Umwelteffekte durch die demografische Entwicklung verstärkt werden. Gelöst werden können die verkehrsbedingten Umweltprobleme durch den Bevölkerungsrückgang allerdings nicht. Schwerpunkte der Umweltbelastungen bleiben die Verdichtungsräume und die bedeutenden überörtlichen Verkehrswege.

Weitere Informationen zur Methodik und die detaillierten Ergebnisse können Sie dem Forschungsbericht entnehmen:

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Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 21: Grundsatzangelegenheiten

Dr. Ralph Seidel