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Ökologische Zustandsklassen Fließgewässer

Beschreibung des Indikators

Der Indikator beschreibt, ob bzw. wie weit eine untersuchte Tier- und Pflanzengemeinschaft  von der natürlich zu erwartenden Artenausstattung des Fließgewässers abweicht. Dabei bedeutet »sehr gut«, dass die Biozönose den natürlichen Bedingungen entspricht, »gut«, dass nur geringe Abweichungen bestehen. »Mäßig« steht für mäßige Abweichungen vom Referenzzustand, »unbefriedigend« und »schlecht« zeigen Artengemeinschaften, denen anspruchsvolle Arten fehlen, bis hin zur völligen Verödung der Gewässer. Bewertet werden gleichartige Abschnitte von Fließgewässern, sogenannte »Wasserkörper« mit einem Einzugsgebiet ab etwa 10 km² Einzugsgebiet.

Als Zielvorgabe für natürliche Fließgewässer gilt der gute ökologische Zustand. Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer kann das gute ökologische Potential als alternatives Umweltziel abgeleitet werden. Es berücksichtigt strukturelle Veränderungen des Gewässers, die wegen gesetzlich geregelter Nutzungen nicht beseitigt werden können.

Diagramm: ökologische Zustandklassen der Fließgewässerkörper in Sachsen 2009
(Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

 ökologische Zustandsklasse sehr gut gut  mäßig  unbefriedigend  schlecht 
 Wasserkörper [%]  0 3,73  25,77  23,66  46,84 

Tabelle: ökologische Zustandklassen der Fließgewässerkörper in Sachsen (Stand: 12/2009)

 

Aussage des Indikators

Mit Einführung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG vom 23. Oktober 2000) wird ein ganzheitliches Schutz- und Nutzungskonzept für die europäischen Oberflächengewässer verfolgt. Ein Ziel ist das Erreichen des mindestens »guten ökologischen Zustandes« für natürliche Gewässer bzw. des mindestens »guten ökologischen Potentials« für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer. Die fünfstufige Klassifikation gibt Auskunft darüber, wie weit das Gewässer von dieser Zielvorgabe entfernt ist.

Für die Beschreibung der ökologischen Zustandsklasse werden Tiere und Pflanzen zunächst in vier biologische Qualitätskomponenten getrennt untersucht und bewertet: Phytoplanktons (im Wasser freischwebende Algen), Makrophyten und Phytobenthos (höhere Wasserpflanzen und  auf dem Substrat wachsende Algen), Makrozoobenthos (mit bloßem Auge erkennbare wirbellose Tiere der Gewässersohle) sowie Fische. Die schlechteste Bewertung der Qualitätskomponenten bestimmt die Gesamtbewertung (Worst-Case-Prinzip). Darüber hinaus können bestimmte chemische Stoffe, die eine schädliche Wirkung auf die aquatische Umwelt haben, zu einer Abwertung führen. Diese getrennte Betrachtung der unterschiedlich sensitiven Gruppen ermöglicht die Identifizierung von Belastungsschwerpunkten und die Ableitung von Maßnahmen zur Gewässersanierung.

Bewertung für Sachsen

Auch in Sachsen erfolgte ein Systemwechsel bei der Bewertung der Fließgewässer gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie. Die aufwändige Datenerfassung nach den neuen Methoden erfolgt seit 2005, wobei ein rotierendes Messnetz zum Einsatz kommt, da aus Kapazitätsgründen nicht alle Wasserkörper in einem Jahr beprobt werden können. Nach dem vorliegenden Indikator wurde bisher erst ein Mal flächendeckend bewertet (gemäß WRRL 2009 und dann alle 6 Jahre), weshalb gegenwärtig keine zeitlichen Entwicklungstendenzen darstellbar sind.

In der Regel konnten für alle sächsischen Fließgewässerkörper alle relevanten biologischen Qualitätskomponente und synthetischen Schadstoffe erhoben und bewertet werden.

Da für den ersten Bewirtschaftungsplan 2009 noch keine abgestimmten Methoden zur Ableitung des ökologischen Potentials an Fließgewässern vorlagen, erfolgte die Einstufung der ökologischen Zustandsklassen nach den etwas strengeren Methoden für natürliche Fließgewässer. Von den 617 bewerteten Fließgewässerkörpern wurden 130 als künstlich oder erheblich verändertet eingestuft.

Mit Stand 2009 erreichen in Sachsen von 617 bewerteten Fließgewässerkörpern nur 23 natürliche Wasserkörper und damit nur 3,73 % einen »guten« ökologischen Zustand. Eine sehr gute ökologische Bewertung konnte nur von Einzelkomponenten erreicht werden, nicht aber für die Gesamtbewertung eines Wasserkörpers.

In Deutschland erreichten 2009  8 % der bewerteten Wasserkörper mindestens den guten ökologischen Zustand oder das gute ökologische Potential, die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. Den höchsten Anteil haben dünn besiedelte waldreiche Regionen höherer Lagen.

Die häufigsten Ursachen für das Nicht-Erreichen des »guten ökologischen Zustands / Potenzials« sind die Veränderungen der Hydromorphologie einschließlich der fehlenden Durchgängigkeit der Fließgewässer und die hohen, aus menschlichen Aktivitäten stammenden Nährstoffbelastungen, was sich in einer zum Teil deutlichen Veränderung der natürlichen Lebensgemeinschaft niederschlägt. Daneben spielen in Sachsen Einflüsse aus historischem und aktivem Bergbau sowie in geringem Umfang auch Gewässerversauerung eine Rolle.

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Bild: Umweltindikator

Umweltindikatoren von A bis Z

A–E | F–M | N–S | T–Z

Navigator Umweltstatus

Trendbewertung

ohne Trend

Datenaktualität

letzte Aktualisierung:                 14.07.2011

verfügbare Wertebasis:             3 bis 6 Jahre zurückliegend

Indikator-Anwendung

Dieser Indikator wird angewendet bei der Bewertung von:

Schutzgut

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Weiterführende Informationen

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