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Ökologische Zustandsklassen Fließgewässer

Beschreibung des Indikators

Der Indikator beschreibt die Abweichung einer untersuchten Tier- und Pflanzengemeinschaft von der natürlich zu erwartenden Artenausstattung des Fließgewässers. Dabei bedeutet »sehr gut«, dass die Biozönose den natürlichen Bedingungen entspricht, »gut«, dass nur geringe Abweichungen bestehen. »Mäßig« steht für mäßige Abweichungen vom Referenzzustand, »unbefriedigend« und »schlecht« zeigen Artengemeinschaften, denen anspruchsvolle Arten fehlen, bis hin zur völligen Verödung der Gewässer. Bewertet werden gleichartige Abschnitte von Fließgewässern, sogenannte »Wasserkörper« mit einem Einzugsgebiet ab etwa 10 km² Flächenausdehnung.

Als Zielvorgabe für natürliche Fließgewässer gilt der gute ökologische Zustand. Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer wird das gute ökologische Potential als alternatives Umweltziel abgeleitet. Es berücksichtigt negative strukturelle Veränderungen des Gewässers, die wegen bestimmter menschlicher Nutzungen nicht soweit verbessert werden können, dass der gute ökologische Zustand erreichbar wird.

Grafik: Ökologische Zustandklassen der Fließgewässerkörper in Sachsen 2009 und 2015
(Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

Aussage des Indikators

Mit Einführung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG vom 23. Oktober 2000) wird ein ganzheitliches Schutz- und Nutzungskonzept für die europäischen Oberflächengewässer verfolgt. Ein Ziel ist das Erreichen des mindestens »guten ökologischen Zustandes« für natürliche Gewässer bzw. des mindestens »guten ökologischen Potentials« für künstliche oder erheblich veränderte Gewässer. Die fünfstufige Klassifikation gibt Auskunft darüber, wie weit das Gewässer von dieser Zielvorgabe entfernt ist.

Die Einstufung der ökologischen Zustandsklasse erfolgt anhand der Bewertung folgender vier biologischer Qualitätskomponenten:

  • Phytoplankton (im Wasser freischwebende Algen),
  • Makrophyten und Phytobenthos (höhere Wasserpflanzen und  auf dem Substrat wachsende Algen),
  • Makrozoobenthos (mit bloßem Auge erkennbare wirbellose Tiere der Gewässersohle),
  • Fische.

Die schlechteste Bewertung der Qualitätskomponenten bestimmt die Gesamtbewertung (Worst-Case-Prinzip) des Wasserkörpers. Darüber hinaus können bestimmte Schadstoffe, die eine schädliche Wirkung auf die aquatische Umwelt haben, zu einer Abwertung führen. Diese getrennte Betrachtung der unterschiedlich sensitiven Gruppen ermöglicht die Identifizierung von Belastungsschwerpunkten und die Ableitung von Maßnahmen zur Gewässersanierung.

Bewertung für Sachsen

Auch in Sachsen erfolgte mit der Bewertung der Fließgewässer gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie ein Systemwechsel. Die aufwändige Datenerfassung nach den neuen Methoden erfolgt seit 2005, wobei ein rotierendes Messnetz zum Einsatz kommt, da aus Kapazitätsgründen nicht alle Wasserkörper in einem Jahr beprobt werden können. Eine flächendeckende Bewertung nach vorliegendem Indikator erfolgte nunmehr zum zweiten Mal.

Da für den ersten Bewirtschaftungsplan 2009 noch keine abgestimmten Methoden zur Ableitung des ökologischen Potentials für die erheblich veränderten und künstlichen Fließgewässer vorlagen, erfolgte die Einstufung der ökologischen Zustandsklassen nach den etwas strengeren Methoden für natürliche Fließgewässer. Von den 617 bewerteten Fließgewässerkörpern wurden 130 als künstlich oder erheblich verändertet eingestuft. Im Bewirtschaftungsplan 2015 wurden von den 616 Fließgewässerkörpern 135 als künstlich oder erheblich verändert eingestuft.

Mit Stand 2009 erreichen in Sachsen von 617 bewerteten Fließgewässerkörpern nur 23 natürliche Wasserkörper und damit nur 3,73 % einen »guten« ökologischen Zustand. Im Jahr 2015 sank dieser Anteil auf 3,25 % (= 20 natürliche Wasserkörper). In beiden Jahren konnte eine sehr gute ökologische Bewertung nur von Einzelkomponenten erreicht werden, nicht aber für die Gesamtbewertung eines Wasserkörpers.

In Deutschland erreichten 2009 ca. 8 % und 2015 ca. 7 % der bewerteten Wasserkörper mindestens den guten ökologischen Zustand oder das gute ökologische Potential, die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. Den höchsten Anteil haben dünn besiedelte waldreiche Regionen höherer Lagen.

Die häufigsten Ursachen für das Nicht-Erreichen des »guten ökologischen Zustands/Potenzials« sind die Veränderungen der Hydromorphologie einschließlich der fehlenden Durchgängigkeit der Fließgewässer und die z. T. hohen Nährstoffbelastungen, die sich in einer zum Teil deutlichen Veränderung der natürlichen Lebensgemeinschaft niederschlagen. Daneben spielen in Sachsen Einflüsse aus historischem und aktivem Bergbau sowie in geringem Umfang auch Gewässerversauerung eine Rolle.

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Bild: Umweltindikator

Umweltindikatoren von A bis Z

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Navigator Umweltstatus

Trendbewertung

Bewertung

stagnierend

Datenaktualität

letzte Aktualisierung: 12.07.2018

verfügbare Wertebasis: 3 Jahre zurückliegend

Indikator-Anwendung

Dieser Indikator wird angewendet bei der Bewertung von:

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Weiterführende Informationen

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